Composer: Franz Schubert (1797-1828)
Author: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

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Artists: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Recorded: Monday, 15 December 2008 - Berlin



Lyrics

Wer sich der Einsamkeit ergibt
Ach! der ist bald allein,
Ein jeder lebt, ein jeder liebt,
Und läßt ihn seiner Pein.

Ja, laßt mich meiner Qual!
Und kann ich nur einmal
Recht einsam sein,
Dann bin ich nicht allein.

Es schleicht ein Liebender lauschend sacht!
Ob seine Freundin allein?
So überschleicht bei Tag und Nacht
Mich Einsamen die Pein,
Mich Einsamen die Qual.
Ach werd ich erst einmal
Einsam in Grabe sein,
Da läßt sie mich allein!

Sources & alternative Compositions: www.lieder.net

Creation

Written: 1822

Published: 13. Dezember 1822

Key: a-Minor

Schema: durchkomponiert

Characteristic:

Zum Text

Textbild
Der Harfner, (Kupferstich) von Gustav Heinrich Naeke

Das Lied des Harfners Wer sich der Einsamkeit ergibt stammt, ebenso wie die Figur des Harfenspielers selbst aus Goethes Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre. Es findet sich in der Erstausgabe auf den Seiten 348f. im 8. Kapitel des zweiten Buches von Band 1. Die Erstausgabe kann online studiert werden.

Folgende Texte aus Goethes Buch Wilhelm Meisters Lehrjahre wurden von Schubert vertont:

Band 1, 2. Buch, Kap. XI
Der Sänger D.149
Band 1, 2. Buch, Kap. XIII
Wer nie sein Brot mit Tränen aß D.478/2
Band 1, 2. Buch, Kap. XIII
Wer sich der Einsamkeit ergibt D.325, D.478/1
Band 2, 3. Buch, Kap. I
Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn D. 321
Band 2, 4. Buch, Kap. XI
Nur wer die Sehnsucht kennt D.310, D.359, D.481, D.656 (Quintett), D.877/1 (Duett), D.877/4
Band 3, 5. Buch, Kap. XIV
An die Türen will ich schleichen D.478/3
Band 3, 5. Buch, Kap. XVI
Heiß mich nicht reden, heiß mich schweigen D.726, D877/2
Band 4, 8. Buch, Kap. II
So laßt mich scheinen, bis ich werde D.469, D.727, 877/3

Zur Musik

Das Verhältnis zwischen Schubert und Goethe war ambivalent. Während Schubert den 48 Jahre älteren Meister verehrte, hat Letzterer ihn kaum beachtet. Obwohl Goethe einige seiner vertonten Gedichte durch eine Sendung von Joseph von Spaun erhielt, gelang es Schubert nicht, mit den Kompositionen bis zu Goethe durchzudringen. Zu fremd waren den Ohren des alten Meisters der Klassik die neuen Klänge. 3.1
1830, zwei Jahre nach Schuberts Tod, soll Goethe den Erlkönig, gesungen von Wilhelmine Schröder-Devrient gehört haben. Ob ihm tatsächlich die Komposition, oder das junge Mädchen gefallen hat, bleibt dahingestellt. 3.2

Schubert vertonte 62 Texte von Goethe, manche sogar mehrmals. Am Ende liegen uns heute fast 80 Kompositionen vor. Vieles davon sind Lieder. Einige für mehrere Stimmen und Instrumente.

Franz Schubert war 18, als er den Text zum ersten Mal vertonte (erste Bearbeitung). Die zweite Bearbeitung erstellte er im Alter von 19. Zum Zeitpunkt der Drucklegung und Erstellung der zweiten Fassung dieser zweiten Bearbeitung war er 25 Jahre alt.
Die drei Harfner-Lieder wurden als kleiner Zyklus konzipiert und auch als solcher veröffentlicht. Sie stehen alle in derselben Tonart und schließen aneinander an.
Gesang des Harfners I
Gesang des Harfners II
Gesang des Harfners III

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung besorgte Cappi und Diabelli, Wien, VN 1161, als op. 12 4.1

Gesänge des Harfners aus Wilhelm Meister, von Goethe,
für eine Singstime mit Begleitung des Pianoforte,
in Musik gesetzt, und Seiner bischöflichen Gnaden,
dem Herrn Joh: Nep: Ritter von Dankesreither, Bischof zu St: Pölten, k:k: wirklichem Hofrath, Doctor der Gottesgelehrtheit, gewesenem Rector Magnificus an der Universität zu Wien, und Mitgliede der oester: ökonomischen Gesellschaft &.&. in tiefer Ehrfurcht gewidmet von Franz Schubert.

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 13. Dezember 1822: 4.2

Wiener Zeitung 1822 12 13

Bey Cappi und Diabelli,
Kunst- und Musikhändlern, am Graben Nr. 1133,
ist neu erschienen und zu haben:
Gesänge des Harfners,
aus
Wilhelm Meister, von Göhte.
Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte.
In Musik gesetzt von
Franz Schubert.
12tes Werk Pr. 1fl 30kr. W.W.
Der Schäfer und der Reiter.
von Fr. B. de la Motte Fouque.
Lob der Tränen,
von A.W.v.Schlegel, und
der Alpenjäger,
von J. Mayerhofer.
Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte.
In Musik gesetzt von Franz Schubert.
13tes Werk Pr. 1fl. 30 kr. W.W.
Suleika und Geheimes.
Aus dem westöstlichen Divan, von Göthe.
Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte.
In Musik gesetzt von Franz Schubert.
14tes Werk Pr. 2fl. W.W.
Es werden hiermit dem Publicum drey Hefte der gewähltesten Lieder des genialen Tonsetzers übergeben, der in so kurzer Zeit ein Liebling der Kenner und Liebhaber geworden ist. Die Lieder aus Göthe's Wilhelm Meister wurden wohl schon öfters gesetzt, aber selten so tief gefühlt, so wahr und ansprechend wiedergegeben.
Nicht minder anziehend sind die beyden andern Hefte. Fouque's und Mayerhofer's Gedichte werden in dieser musikalischen Einkleidung jeden Hörer überraschen. In einem ganz originellen Geiste aber sind die Lieder aus Göthe's westöstlichen Divan gesetzt. Orientalische Gluth ist darin mit solcher Zartheit gepaart, daß selbe die beste Wirkung nicht verhehlen können. Diese drey Hefte werden daher das Pult jedes Kenners zieren, und besonders bey dem zarterfühlenden Geschlechte des wärmsten Antheils nicht ermangeln.


Geschrieben von: Peter Schöne

Score

Friedlaender Bd. II » 027

BA I » 68

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