Composer: Franz Schubert (1797-1828)
Author: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

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Artists: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Recorded: Wednesday, 16 July 2008 - Berlin



Lyrics

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor:
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.

Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
"Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.

Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew'gen Tau?"

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war's um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.

Sources & alternative Compositions: www.lieder.net

Creation

Written: 05. Juli 1815

Published: 09. Juli 1821

Key: B♭-Major

Schema: Strophenlied

Characteristic:

Zum Text

Textbild
Frederic Leighton
Der Fischer und die Meerjungfrau

Das Gedicht ist laut "Neues Verzeichniß einer Goethe-Bibliothek" von Salomon Hirzel 2.1 bereits 1779 unter dem Titel Das Lied vom Fischer in der Weygandschen Buchhandlung Leipzig erschienen. Man kann diese Veröffentlichung online studieren. Es ist das erste Gedicht im Buch mit dem Titel "Volkslieder nebst untermischten andern Stücken". Es findet sich auf Seite 3ff. 2.2
Insofern scheint eine Entstehungszeit um 1778/79 wahrscheinlich.
Bei Wikipedia findet sich eine eigene Seite zum Gedicht mit Erläuterungen.

Zur Musik

Das Verhältnis zwischen Schubert und Goethe war ambivalent. Während Schubert den 48 Jahre älteren Meister verehrte, hat Letzterer ihn kaum beachtet. Obwohl Goethe einige seiner vertonten Gedichte durch eine Sendung von Joseph von Spaun erhielt, gelang es Schubert nicht, mit den Kompositionen bis zu Goethe durchzudringen. Zu fremd waren den Ohren des alten Meisters der Klassik die neuen Klänge. 3.1
1830, zwei Jahre nach Schuberts Tod, soll Goethe den Erlkönig, gesungen von Wilhelmine Schröder-Devrient gehört haben. Ob ihm tatsächlich die Komposition, oder das junge Mädchen gefallen hat, bleibt dahingestellt. 3.2

Schubert vertonte 62 Texte von Goethe, manche sogar mehrmals. Am Ende liegen uns heute fast 80 Kompositionen vor. Vieles davon sind Lieder. Einige für mehrere Stimmen und Instrumente.

Schubert war 18 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Schuberts erstes Liederheft für Goethe enthielt folgende Kompositionen:

Jägers Abendlied D 368
Der König in Thule D 367
Meeres Stille D 216
Schäfers Klagelied D 121, erste Fassung
Die Spinnerin D 247
Heidenröslein D 257
Wonne der Wehmut D 260
Wandrers Nachtlied D 224
Erster Verlust D 226
Der Fischer D 225, zweite Fassung
An Mignon D 161, erste Fassung
Geistes Gruß D 142, zweite Fassung
Nähe des Geliebten D 162, zweite Fassung
Gretchen am Spinnrade D 118
Rastlose Liebe D 138, erste Fassung
Erlkönig D 328, zweite Fassung

Zweites Liederheft für Goethe -> Link zu Nachtgesang D 119

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Eine Reinschrift des Autographs befindet sich in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin und ist dort online abrufbar.

Ein weiteres Manuskript findet sich in der British Library London. Ein Digitalisat ist ebenfalls verfügbar. Das Lied steht auf Seite 42 rechts.

Die Erstveröffentlichung besorgte Cappi und Diabelli als op. 5 4.1

Rastlose Liebe D 138,
Nähe des Geliebten D 162,
Der Fischer D 225,
Erster Verlust D 226 und
Der König in Thule D 367.
Gedichte von Goethe.

Für eine Singstimme mit Begleitung des Piano-Forte in Musik gesetzt und dem Wohlgebronen Herrn Anton Salieri k.k. ersten Hofkapellmeister, Inhaber der großen goldenen Civil Ehrenmedaille, Ritter der königl. französischen Ehrenlegion, Vicepräses der Wittwen und Waisengesellschaft der Tonkünstler in Wien, Mitglied des französ. National Instituts, und des musikal. Conservatoriums in Paris, dann der kön. schwedischen musikal. Gesellschaft in Stockholm hochachtungsvoll gewidmet von Franz Schubert.

Deckblatt opus 5

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 09. Juli 1821 4.2

Wiener Zeitung 1821 07 09

"Bey Cappi und Diabelli,
Kunst- und Musikhändler, Am Graben 1133
ist neu erschienen und zu haben:
Rastlose Liebe,
Nähe des Geliebten, der Fischer, erster Verlust, und der König in Thule.
Gedichte von Goethe.
Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte in Musik gesetzt von Franz Schubert.
Fünftes Werk. Preis 1fl. 30kr. W.W.
Die Compositionen dieses Tonsetzers bedürfen keiner Anempfehlung, da sich ihr innerer Werth zu klar ausspricht, als daß ihn nicht jeder Kunstliebhaber fühlen, jeder Kenner unbedingt anerkennen müßte.
Goethe's Meisterdichtungen dürften schwerlich auf würdigere Art in Töne gesetzt werden können, als es in den vorliegenden, mit Sorgfalt ausgewählten und zusammengestellten Compositionen geschehen ist."

 


Sources

2.1 Hirzel, Salomon: Neues Verzeichniß einer Goethe-Bibliothek, Breitkopf u. Härtel, 1862, 148 Seiten, S. 17

2.2 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Herder, Johann-Gottfried von, Volkslieder Bd. 2, Verlag Weygand, Leipzig 1779, S. 3ff., Signatur: 7.M.6.(Vol.2)

3.1 Gülke, Peter: Goethes »Versäumnisse«, in: Blog Klassik Stiftung Weimar, 08. September 2015

3.2 Windmeißer, Renate: Neue Chance für Schubert, in: BR Klassik, Was heute geschah, 24. April 2018

4.1 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Cappi und Diabelli, Wien, VN 789, Erstdruck op. 5, Sig. SH.Schubert.30

4.2 Österreichische Nationalbibliothek, Anno - Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften, Wiener Zeitung Jhg. 1821, Ausgabe vom 9. Juli, Seite 4

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.148


Geschrieben von: Peter Schöne

Score

Friedlaender Bd. II » 009

BA I » 34

Manuscript
schubertmanu

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Source of score imslp.org: Der Fischer.pdf