Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Johann Gabriel Seidl (1804-1875)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Montag, 11. November 2013 - Berlin



heutige Schreibweise

So mancher sieht mit finst'rer Miene
Die weite Welt sich grollend an,
Des Lebens wunderbare Bühne
Liegt ihm vergebens aufgetan.
Da weiß ich besser mich zu nehmen,
Und fern, der Freude mich zu schämen,
Genieß' ich froh den Augenblick:
Das ist denn doch gewiß ein Glück.

Um manches Herz hab ich geworben,
Doch währte mein Triumph nicht lang.
Denn Blödheit hat mir oft verdorben,
Was kaum mein Frohsinn mir errang.
D'rum bin ich auch dem Netz entgangen;
Denn, weil kein Wahn mich hielt umfangen,
Kam ich von keinem auch zurück:
Und das ist doch gewiß ein Glück!

Kein Lorbeer grünte meinem Scheitel,
Mein Haupt umstrahlt' kein Ehrenkranz;
Doch ist darum mein Tun nicht eitel;
Ein stiller Dank ist auch ein Kranz!
Wem, weit entfernt von kecken Flügen,
Des Tales stille Freuden g'nügen,
Dem bangt auch nie für sein Genick:
Und das ist doch gewiß ein Glück!

Und ruft der Bot' aus jenen Reichen
Mir einst, wie allen, ernst und hohl,
Dann sag ich willig, im Entweichen,
Der schönen Erde »Lebe wohl!«
Sei's denn, so drücken doch am Ende
Die Hand mir treue Freundeshände,
So segnet doch mich Freundesblick:
Und das ist, Brüder, doch wohl Glück!

historische Schreibweise

Ungedruckt

historische Schreibweise

So mancher sieht mit finstrer Miene
Die weite Welt sich grollend an,
Des Lebens wunderbare Bühne
Liegt ihm vergebens aufgethan.
Da weiß ich besser mich zu nehmen,
Und fern, der Freude mich zu schämen,
Genieß' ich froh den Augenblick:
Das ist denn doch gewiß ein Glück.

Um manches Herz hab' ich geworben,
Doch währte mein Triumf nicht lang,
Denn Blödheit hat mir oft verdorben,
Was kaum mein Frohsinn mir errang.
Drum bin ich auch dem Netz' entgangen;
Denn, weil kein Wahn mich hielt umfangen,
Kam ich von keinem auch zurück:
Und das ist doch gewiß ein Glück!

Kein Lorbeer grünte meiner Scheitel,
Mein Haupt umstrahlt kein Ehrenglanz;
Doch ist darum mein Thun nicht eitel;
Ein stiller Dank ist auch ein Kranz!
Wem, weit entfernt von kecken Flügen,
Des Thales stille Freuden g'nügen,
Dem bangt auch nie für sein Genick:
Und das ist doch gewiß ein Glück!

Und ruft der Bot' aus jenen Reichen
Mir einst, wie Allen, ernst und hohl,
Dann sag' ich willig, im Entweichen,
Der schönen Erde »Lebewohl!«
Sey's denn, so drücken doch am Ende
Die Hand mir treue Freundeshände,
So segnet doch mich Freundesblick:
Und das ist, Brüder, doch wohl Glück!

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: 1828

Veröffentlichung (angezeigt): 13. August 1828

Originaltonart: D-Dur

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Johann Gabriel Seidl
Zeichnung von M. Grillhofer

Johann Gabriel Seidls Gedicht erhielt Schubert in handschriftlicher Form.

Es erschien jedoch nicht in der gedruckten Ausgabe seiner Gedichte 1826 in Wien beim Verlag Sollinger.

Zur Musik

Schubert vertonte insgesamt fünfzehn Gedichte von Seidl. Elf davon sind Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung:

Die Unterscheidung D 866
Bei dir allein D 866
Die Männer sind méchant D 866
Irdisches Glück D 866
Wiegenlied D 867
Der Wanderer an den Mond D 870
Das Zügenglöcklein D 871
Am Fenster D 878
Sehnsucht D 879
Im Freien D 880
Die Taubenpost D 965A

Er war 31 Jahr alt, als er Irdisches Glück schrieb.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstausgabe besorgte Thaddäus Weigl als op. 95 - VN 2794 in Wien 4.1

Die Unterscheidung. 
Bey dir allein!
Die Männer sind mechant!
Irdisches Glück!

Refrain-Lieder von Joh. Gab. Seidl. In Musik gesetzt für Eine Singstimme mit Pianoforte-Begleitung und dem Dichter freundschäftlichst gewidmet von Franz Schubert.

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 13. August 1828 4.2


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 08, Nr. 511

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 05

Friedländer Bd. IV » 091

Bärenreiter Urtext III » 182

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle imslp.org o.a.: Irdisches Glück.pdf