Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 17. April 2013 - Berlin



Liedtext

Was ist es, das die Seele füllt?
Ach, Liebe füllt sie, Liebe!
Sie füllt nicht Gold noch Goldes wert;
Nicht, was die schnöde Welt begehrt,
Sie füllt nur Liebe, Liebe!

Was ist es, das die Sehnsucht stillt?
Ach, Liebe stillt sie, Liebe!
Sie stillt nicht Titel, Stand noch Rang,
Und nicht des Ruhmes Schellenklang;
Sie stillt nur Liebe, Liebe!

Was ist's, wonach das Herz zerlechzt?
Es lechzet, ach, nach Liebe!
Es schmachtet nicht nach Druck und Kuß,
Nicht nach der Wollust Vollgenuß;
Es schmachtet nur nach Liebe.

Gern geb' ich, was ich hab' und bin,
Gern geb' ich's hin um Liebe.
Des Reichtums bunter Seifenschaum,
Der Wollust Rausch, des Ruhmes Traum,
Was frommt es ohne Liebe!

Viel süsser ist's, gering und arm
An treuer Brust verschmachten,
Als ungeliebt und liebelos
Den Tag verprassen, und im Schoß
Der Wollust übernachten.

Liebt herzlich mich, liebt schmerzlich mich
Die Eine, die ich meine -
Nimm alles, alles hin, Geschick,
Nimm Ruh und Ruhm und Lebensglück;
Mir gnügt, mir gnügt die Eine.

Und sollt' ich fern von Ihr, von Ihr
Dahin mein Leben trauern,
Und wüßte nur, daß du mich liebst,
Daß du mir, Herzgeliebte, bliebst,
Wer dürfte mich bedauern?

Und wär ich in der Sklaverei,
In freundeloser Wildnis,
Und wäre Dein, nur Dein gewiß,
So wäre Sklaverei mir süß,
Und Paradies die Wildnis.

Und hüllte Todesfinsternis
Dich, meines Lebens Sonne,
Und stürb' ich nur von Ihr gemeint,
Von Ihr beklagt, von Ihr beweint,
So stürb' ich wohl mit Wonne.

Viel besser ist's, jung, kräftig, kühn
Im Arm der Liebe sterben,
Als ungeliebt und liebelos
In dumpfer Freuden mattem Schoß
Veralten und verderben.

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: 27. Juli 1815

Veröffentlichung (angezeigt): 1894

Originaltonart: E

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Zum Text

Deckblatt der Poesieen Kosegartens

Der Pfarrer Ludwig Gotthard Kosegarten veröffentlichte 1803 sein Gedicht Alles um Liebe in der Neuesten Auflage seiner Poesieen(sic!) Band 3, Berlin, Seite 19ff.
Ein Digitalisat dieses Gedichtbandes kann auf den Seiten der Österreichischen Nationalbibliothek online recherchiert werden.

Zur Musik

Morten Solvik schrieb in den Jahren 1997 und 1999 einen Artikel über die Möglichkeit, dass Schubert mit den 20 Liedern, die 1815 auf Gedichte von Kosegarten entstanden, einen ersten Liederzyklus schreiben wollte. Ähnlich wie acht Jahre später Die schöne Müllerin. 1

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Autograph des Liedes liegt in der Staatsbibliothek preussischer Kulturbesitz, Berlin. Das Digitalisat kann online recherchiert werden.

Ein weiteres, zur Zeit der Veröffentlichung des thematischen Katalogs von O.E. Deutsch verschollenes Autograph liegt heute in der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien. Auch dieses digitalisierte Autograph kann online studiert werden.

Die Erstveröffentlichung geschah 1894 im Rahmen der Alten Gesamtausgabe (AGA) bei Breitkopf & Härtel Leipzig.

Alte Gesamtausgabe (AGA)

 


Quelle(n)

1 Morten Solvik - Kosegarten und Schubert

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.157


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Link zum Manuskript
schubertmanu

Quelle imslp.org o.a.: Alles um Liebe.pdf