Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Franz von Schober (1796-1882)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Donnerstag, 19. Juni 2008 - Berlin



Liedtext

Du holde Kunst, in wie viel grauen Stunden,
Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,
Hast du mein Herz zu [neuer]1.1 Lieb' entzunden,
Hast mich in eine beßre Welt entrückt!

Oft hat ein Seufzer, deiner Harf' entflossen,
Ein süßer, heiliger Akkord von dir
Den Himmel [neuer Hoffnung]1.2 mir erschlossen,
Du holde Kunst, ich danke dir dafür!

1.1 Schubert: warmer
1.2 Schubert: bessrer Zeiten

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: März 1817

Veröffentlichung (angezeigt): 12. Dezember 1827

Originaltonart: D-Moll

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Fr. v. Schober

Der Text, der diesem Lied zugrunde liegt, ist ein Beispiel für Universalpoesie wie Friedrich Schlegel sie 1798 definierte. In ihm verbindet sich die reale Welt mit dem Gedanken an eine "bess're Welt" zu der man getragen durch die Musik "entrücken" kann. 2.1
Franz Schober schrieb das Gedicht im März 1817 und Schubert muss es unmittelbar vertont haben.
Schober ließ sich möglicherweise inspirieren von der 41. Stanze des Versepos Die bezauberte Rose von Ernst Schulze. 2.2 Dieses Werk dürfte im Kreise Schuberts bekannt gewesen sein, denn Schubert spielte mit dem Gedanken aus der bezauberten Rose eine Oper zu machen. Die Verse von Schulze lauten:

Du holde Kunst melodisch süßer Klagen,
Du tönend Lied aus sprachlos finsterm Leid,
Du spielend Kind, das oft aus schönern Tagen
In unsre Nacht so duft'ge Blumen streut,
Ach, ohne dich vermöcht' ich nie zu tragen,
Was feindlich längst mein böser Stern mir beut!
Wenn Wort und Sinn in Liebe freundlich klingen,
Dann flattert leicht der schwere Gram auf Schwingen.


Ein Manuskript des Textes liegt in der Wienbibliothek im Rathaus.

Das "falsche" Wort entzunden ist keine Wortschöpfung Schobers, sondern war zu seiner Zeit eine gebräuchliche Form für entzündet. Auch heute noch wird es sowohl in Österreich als auch in Bayern verwendet. Einen etymologischen Hinweis zum Wort findet man hier. 2.3

Zur Musik

Franz Schubert und Franz von Schober waren innigst miteinander befreundet. Sie wohnten ab 1818 mit einigen Unterbrechungen zusammen in Schobers Wohnung Tuchlauben 20, Landskrongasse 5 im ersten Wiener Bezirk (Ansicht vor 1905). Schober war mit vielen künstlerischen Persönlichkeiten bekannt und trug viel dazu bei, dass sich Schuberts Werk zu seinen Lebzeiten und darüber hinaus verbreitete.
Heute liegen uns 13 Vertonungen der Gedichte Schobers als Sololied vor. Vermutlich setzte Schubert die Gedichte sofort oder kurz nach ihrer Entstehung in Musik.
Das Lied Augenblicke im Elysium ging verloren, bevor es in den ersten allgemeinen Sammlungen Schubertscher Lieder Einzug halten konnte. Es findet sich lediglich ein Hinweis in der zweiten vermehrten Auflage der Gedichte Schobers (Leipzig, 1865). Dort heißt es im Untertitel zum Gedichte "Von Franz Schubert in Musik gesetzt".3.1
Eine interessante Deutung der Komposition An die Musik als homoerotischer Liebesbrief an Franz von Schober ist im Buch Geheime Botschaften von Ilija Dürhammer zu finden. 3.2
Dürhammer deutet die "warme Lieb" als Synonym für "warmer Bruder", ein Begriff, der sowohl in der christlichen Mythik, als auch im islamischen Sufismus aus der "geschworenen Bruderschaft" übrig geblieben ist. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass Zeichen der Zuneigung, die früher womöglich üblich waren und nur für eine besonders intensive Form der Freundschaft standen, heutzutage als von der Norm abweichend und irrigerweise als Homosexualität gedeutet werden.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Das Lied existiert in zwei Fassungen. Die erste Fassung finden Sie hier:
An die Musik - erste Fassung
Ein Manuskript der zweiten Fassung findet sich in der Sammmlung Stefan Zweig, London. Dieses Sammlung, sowie das in ihr befindliche Manuskript liegt heute in der British Library und kann dort online studiert werden. Ein Faksimile-Abdruck befindet sich in Walter Dahms Buch Schubert aus dem Jahr 1912. Auf wikimedia.org ist ebenfalls eine sehr gut lesbare Version des Manuskripts online recherchierbar.

Die Erstveröffentlichung der zweiten Fassung erfolgte als op. 88 bei Thaddäus Weigl 4.1

Abendlied für die Entfernte. D 856
Thekla (eine Geisterstimme). D 595
Um Mitternacht. D 862
An die Musik. D 547

Gedichte von A.W.Schlegel, Fr.v.Schiller, Ernst Schulze u. Schober

Deckblatt op 88

Aus der k.k. Wiener Zeitung vom 12. Dezember 1827 4.2

Wiener Zeitung 1827 12 12

Bei Thadd. Weigl, Kunst- und Musikalienhändler, in Wien, am Graben Nr. 1144
(neben dem König von England) ist ganz neu erschienen
Abendlied für die Entfernte.
Thekla (eine Geisterstimme). Um Mitternacht.
An die Musik.
Vier Gedichte,
in Musik gesetzt für eine Singstimme mit Pianoforte-Begleitung
von Franz Schubert.
88stes Werk. Preis 45 kr. Konv. Münze.

Das musikalische Europa<br>1842

Das musikalische Europa 1842

Schubert widmete dieses Lied am 24. April 1827 dem Wiener Klaviervirtuosen Albert Sowinsky. Gustav Schilling bemerkt über Albert Sowinsky in seinem 1842 erschienenen Werk "Das musikalische Europa" auf Seite 320: Sowinsky, Albert, ein Pole von Geburt, geboren um 1810, tüchtiger Claviervirtuos und Componist für sein Instrument; von 1826 an reiste er in Deutschland und Italien, wo er sich besonders in Wien, Mailand, Turin u. m. a. Städten großen Beifall erwarb; 1833 kam er nach Paris, wo er sich seither fast ausschließlich aufhält, besonders auch als Lehrer sehr geschätzt. Seine Compositionen sind in sehr gefälligem Style gehalten. 4.3


Quelle(n)

2.1 Friedrich Schlegel: Progressive Universalpoesie

2.2 Karl Kobald: Schubert und Schwind - Ein Wiener Biedermeierbuch, S. 207

2.3 Hinweis des Benutzers Peter Rastl

3.1 Schober, Franz von: Gedichte, Leipzig: Verlag Weber, zweite vermehrte Auflage, 1865, S. 228

3.2 Dürhammer, Ilija: Geheime Botschaften. Böhlau Wien, 2006; S.96ff;

4.1 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Originalscans der Erstdrucke der Schubertlieder

4.2 ANNO / Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Österreichisch-kaiserliche privilegierte Wiener Zeitung Jhg. 1827, Ausgabe vom 12. Dezember, S.4

4.3 Schilling, Gustav: Das musikalische Europa Speyer, 1842

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.318


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 05, Nr. 314b

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 04

Friedländer Bd. I » 236

Bärenreiter Urtext 3 » 76

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle imslp.org o.a.: An die Musik - Zweite Fassung.pdf