Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: James Macpherson ("Ossian") (1736-1796) Übersetzer Edmund von Harold

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Christoph Schnackertz - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 20. Juli 2011 - Erfurt

Liedtext

heutige Schreibweise

Erster Bard:
 Die Nacht ist dumpfig und finster.
 An den Hügeln ruhn die Wolken.
 Kein Stern mit grünzitterndem Strahl;
 kein Mond schaut durch die Luft.
 Im Walde hör' ich den Hauch;
 aber ich hör' ihn weit in der Ferne.
 Der Strom des Thals erbraust;
 aber sein Brausen ist stürmisch und trüb.
 Vom Baum beim Grabe der Toten,
 hört man lang die krächzende Eul.
 An der Eb'ne erblick' ich eine dämmernde Bildung!
 es ist ein Geist! er schwindet, er flieht.
 Durch diesen Weg wird eine Leiche getragen:
 ihren Pfad bezeichnet das Luftbild.
 Die fernere Dogge heult von der Hütte des Hügels.
 Der Hirsch liegt im Moose des Bergs:
 neben ihm ruht die Hindin.
 In seinem astigten Geweihe hört sie den Wind;
 fährt auf, und legt sich zur Ruhe wieder nieder.

 Düster und keuchend, zittern und traurig,
 verlor der Wanderer den Weg.
 Er irrt durch Gebüsche,
 durch Dornen längs der sprudelnden Quelle.
 Er fürchtet die Klippe und den Sumpf.
 Er fürchtet den Geist der Nacht.
 Der alte Baum ächzt zu dem Windstoss;
 der fallende Ast erschallt.
 Die verwelkte zusammen verworrene Klette,
 treibt der Wind über das Gras.
 Es ist der leichte Tritt eines Geists!
 Er bebt in der Mitte der Nacht.

 Die Nacht ist düster, dunkel, und heulend;
 wolkigt, stürmisch und schwanger mit Geistern!
 Die Toten streifen umher!
 Empfangt mich von der Nacht, meine Freunde.

Der Gebieter:
 Lass Wolken an Hügeln ruhn;
 Geister fliegen und Wandrer beben.
 Lass die Winde der Wälder sich heben,
 brausende Stürme das Thal durchweh'n.
 Ströme brüllen, Fenster klirren,
 grünbeflügelte Dämpfe fliegen;
 den bleichen Mond sich hinter seinen Hügeln erheben,
 oder sein Haupt in Wolken einhüllen;
 die Nacht gilt mir gleich; die Luft sei klar,
 stürmisch, oder dunkel. Die Nacht flieht
 vorm Strahl, wenn er am Hügel sich giest.
 Der junge Tag kehrt von seinen Wolken,
 aber wir kehren nimmer zurück.

 Wo sind uns're Führer der vorwelt;
 wo sind uns're weit berühmten Gebieter?
 Schweigend sind die Felder ihrer Schlachten.
 Kaum sind ihre moosigten Gräber noch übrig.
 Man wird auch unser vergessen.
 Dies erhabene Gebäu wird zerfallen.
 Unsere Söhne werden die Trümmer im Grase nicht erblicken.
 Sie werden die Greisen befragen,
 "Wo standen die Mauern unsrer Väter?"

 Ertönet das Lied und schlaget die Harfen;
 sendet die fröhlichen Muscheln herum.
 Stellt hundert Kerzen in die Höhe.
 Jünglinge, Mädchen beginnet den Tanz.
 Nah sei ein graulockigter Barde,
 mir die Taten der Vorwelt zu künden;
 von Königen berühmt in unserm Land,
 von Gebietern, die wir nicht mehr sehn.
 Lass die Nacht also vergehen,
 bis der Morgen in unserm Hallen erscheine.
 Dann seien nicht ferne, der Bogen,
 die Doggen, die Jünglinge der Jagd.
 Wir werden die Hügel mit dem Morgen besteigen,
 und die Hirsche erwecken.

Zur Musik

komponiert: 1817

Veröffentlichung (angezeigt): 1830

Originaltonart:

Noten

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Die Nacht.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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