Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Karl Gottlieb Lappe (1773-1843)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Samstag, 25. August 2012 - Berlin



heutige Schreibweise

Wenn meine Grillen schwirren,
Bei Nacht, am spät erwärmten Herd,
Dann sitz ich mit vergnügtem Sinn
Vertraulich zu der Flamme hin,
So leicht, so unbeschwert.

Ein trautes, stilles Stündchen
Bleibt man noch gern am Feuer wach,
Man schürt, wann sich die Lohe senkt,
Die Funken auf und sinnt und denkt:
Nun abermal ein Tag!

Was Liebes oder Leides
Sein Lauf für uns dahergebracht,
Es geht noch einmal durch den Sinn;
Allein das Böse wirft man hin,
Es störe nicht die Nacht.

Zu einem frohen Traume
Bereitet man gemacht sich zu,
Wann sorgenlos ein holdes Bild
Mit sanfter Lust die Seele füllt,
Ergibt man sich der Ruh.

O wie ich mir gefalle
In meiner stillen Ländlichkeit!
Was in dem Schwarm der lauten Welt
Das irre Herz gefesselt hält,
Gibt nicht Zufriedenheit.

Zirpt immer, liebe Heimchen
In meiner Klause eng und klein.
Ich duld' euch gern: ihr stört mich nicht
Wann euer Lied das Schweigen bricht
Bin ich nicht ganz allein.

historische Schreibweise

Wann meine Grillen schwirren,
[Bey]1 Nacht, am [späterwärmten]2 Herd,
Dann sitz' ich mit vergnügtem Sinn,
Vertraulich zu der Flamme hin,
So [frey und]3 unbeschwert.

Ein trautes, stilles Stündchen
Bleibt man noch gern am Feuer wach.
Man schürt, wann sich die Lohe senkt,
Die Funken auf und sinnt und denkt:
Nun [abermahl]4 ein Tag!

Was Liebes oder Leides
Sein Lauf für uns [dahergebracht]5,
Es geht noch einmal durch den Sinn;
Allein das Böse wirft man hin.
Es störe nicht die Nacht.

Zu einem frohen Traume
Bereitet man gemach sich zu.
[Und wenn ein angenehmes]6 Bild
Mit sanfter Lust die Seele füllt
[Ergibt]7 man sich der Ruh.

O wie ich mir gefalle
In meiner stillen Ländlichkeit!
Was in dem Schwarm der lauten Welt
Das irre Herz gefesselt hält,
[Ich hab' es nie bereut]8.

Zirpt immer, liebe Heimchen,
In meiner Klause, eng und klein!
Ich duld' euch gern: ihr stört mich nicht.
Wann euer Lied das Schweigen bricht,
Bin ich nicht ganz allein.

1 Lappe (1824): "Bei"
2 Lappe (1824): "spät erwärmten"
3 Lappe (1824): "leicht, so"
4 Lappe (1824): "abermal"
5 Lappe (1824): "daher gebracht"
6 Lappe (1824): "Wann sorgelos ein holdes Bild"
7 Lappe (1824): "ergiebt"
8 Lappe (1824): "Giebt nicht Zufriedenheit"

historische Schreibweise

Wann meine Grillen schwirren,
Bey Nacht, am spät erwärmten Herd,
Dann sitz' ich mit vergnügtem Sinn,
Vertraulich zu der Flamme hin,
So leicht, so unbeschwert.

Ein trautes, stilles Stündchen
Bleibt man noch gern am Feuer wach.
Man schürt, wann sich die Lohe senkt,
Die Funken auf und sinnt und denkt:
Nun abermal ein Tag!

Was Liebes oder Leides
Sein Lauf für uns daher gebracht,
Es geht noch einmal durch den Sinn;
Allein das Böse wirft man hin.
Es störe nicht die Nacht.

Zu einem frohen Traume
Bereitet man gemach sich zu.
Wann sorgelos ein holdes Bild
Mit sanfter Lust die Seele füllt
Ergibt man sich der Ruh.

O wie ich mir gefalle
In meiner stillen Ländlichkeit!
Was in dem Schwarm der lauten Welt
Das irre Herz gefesselt hält,
Gibt nicht Zufriedenheit.

Zirpt immer, liebe Heimchen,
In meiner Klause, eng und klein!
Ich duld' euch gern: ihr stört mich nicht.
Wann euer Lied das Schweigen bricht,
Bin ich nicht ganz allein.

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: 1825

Veröffentlichung (angezeigt): 12. März 1825

Originaltonart: G-Dur

Liedform: durchkomponiert

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Pommersche Lebensbilder
Bd. III, S. 216

Karl Lappe veröffentlichte sein Gedicht erstmals 1801 unter dem Titel Des Klausners Abendlied in Gedichte von Karl Lappe, Dänzer'sche Buchhandlung, S. 56. 

Digitalisat online

Die für Schubert maßgebliche Ausgabe dürfte jedoch der 1824 veröffentlichte Band Blätter von Karl Lappe sein, gedruckt in der Königlichen Regierungsdruckerei Stralsund, S. 88.

Digitalisat online

Zur Musik

Dr. Heinrich Kreißle von Hellborn schreibt 1865 in seiner Schubert-Biografie: 3.1

Einen merkwürdigen Beleg seiner selbst durch körperliche Leiden nicht zu hemmenden Productionskraft gibt die verbürgte Thatsache, daß Franz mehrere »Müllerlieder« und das Lied »Der Einsame« in siechem Zustand im Spital niedergeschrieben hat.
(...)
»Der Einsame« von Lappe, nach einer Mittheilung mehrerer Freunde Schuberts von diesem im Jahre 1825 im Spitale componirt.

Drei Gedichte von Karl Lappe vertonte Schubert. Zwei als Lieder, eines als Männerquartett.
Lieder von Karl Lappe auf dieser Homepage.
Der Einsame schrieb er im Alter von 28 Jahren.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung geschah als Beilage zur Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode, 12. März 1825.

Als op. 41 wurde es, mit wenigen Änderungen bei A. Diabelli & Co., VN 2251, Wien veröffentlicht.

Der Einsame, Gedicht v. Carl Lappe.

In Musik gesetzt für eine Singstimme mit Begleit: des Pianoforte von Franz Schubert

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 05. Januar 1827

 


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 08, Nr. 465

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 02

Friedländer Bd. II » 092

Bärenreiter Urtext II » 59

Originalversion des Liedes

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Transposition für mittlere Stimme

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Quelle imslp.org o.a.: Der Einsame - zweite Fassung.pdf