Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Samstag, 21. Juni 2008 - Berlin



Liedtext

Es war ein König in Thule,
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber,
Er leert' ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.

Und als er kam zu sterben,
Zählt' er seine Städt' im Reich,
Gönnt' alles seinem Erben,
Den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.

Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut,
Und warf den heil'gen Becher
Hinunter in die Flut.

Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer.
Die Augen täten ihm sinken
Trank nie einen Tropfen mehr.

 

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: 1816

Veröffentlichung (angezeigt): 09. Juli 1821

Originaltonart: d-Moll

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Zum Text

Goethes Gedicht Der König in Thule aus dem Jahr 1774 stammt aus der Tragödie Faust und wird von der Figur Gretchen gesungen, "indem sie sich auszieht". Goethe war 25 Jahre alt, als er den ersten Teil seines Faustes schuf.
In den Digitalen Sammlungen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek kann der Druck von 1790 (Goethe's Schriften; Siebenter Band) online studiert werden. Das Gedicht steht auf Seite 94ff.

Zur Musik

Schubert schrieb das Lied im Alter von 19 Jahren.
Eine Reinschrift des Manuskripts liegt in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin. In der mir vorliegenden Ausgabe von Walter Dahms: Schubert ist ein Faksimilie enthalten. Es kann hier online studiert werden.
Schubert unterlegte seine Komposition mit drei der sechs Strophen. Wir haben uns an diese Vorgabe gehalten und haben diese drei Strophen aufgenommen.
Die Erstveröffentlichung besorgte Cappi und Diabelli als op. 5 Nr. 5 gemeinsam mit
Rastlose Liebe D. 138,
Nähe des Geliebten D. 162,
Der Fischer D. 225 und
Erster Verlust D.226.
Schubert widmete dieses Opus hochachtungsvoll dem "Wohlgebohrnen Herrn Anton Salieri".

Deckblatt opus 5

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 09. Juli 1821

Wiener Zeitung 1821 07 09

"Bey Cappi und Diabelli,
Kunst- und Musikhändler, Am Graben 1133
ist neu erschienen und zu haben:
Rastlose Liebe,
Nähe des Geliebten, der Fischer, erster Verlust, und der König in Thule.
Gedichte von Goethe.
Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte in Musik gesetzt von Franz Schubert.
Fünftes Werk. Preis 1fl. 30kr. W.W.
Die Compositionen dieses Tonsetzers bedürfen keiner Anempfehlung, da sich ihr innerer Werth zu klar ausspricht, als daß ihn nicht jeder Kunstliebhaber fühlen, jeder Kenner unbedingt anerkennen müßte.
Goethe's Meisterdichtungen dürften schwerlich auf würdigere Art in Töne gesetzt werden können, als es in den vorliegenden, mit Sorgfalt ausgewählten und zusammengestellten Compositionen geschehen ist."


Quelle(n)

Wiener Zeitung vom 9. Juli 1821 Seite 4

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.220


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 04 , Nr. 261

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 01

Friedländer Bd. II » 12

Bärenreiter Urtext 1 » 37

Originalversion des Liedes

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Quelle imslp.org o.a.: Der König in Thule.pdf