Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Georg Jacobi (1740-1814)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Samstag, 21. Juni 2008 - Berlin



Liedtext

Ruh'n in Frieden alle Seelen,
Die vollbracht ein banges Quälen,
Die vollendet süßen Traum,
Lebenssatt, geboren kaum,
Aus der Welt hinüberschieden:
Alle Seelen ruhn in Frieden!

Die sich hier Gespielen suchten,
öfter weinten, nimmer fluchten,
wenn vor ihrer treuen Hand
keiner je den Druck verstand:
Alle die von hinnen schieden,
Alle Seelen ruhn in Frieden!

Liebevoller Mädchen Seelen,
Deren Tränen nicht zu zählen,
Die ein falscher Freund verließ,
Und die blinde Welt verstieß
Alle die von hinnen schieden,
Alle Seelen ruhn in Frieden!

Und der Jüngling, dem, verborgen,
Seine Braut am frühen Morgen,
Weil ihm Lieb' ins Grab gelegt,
Auf sein Grab die Kerze trägt:
Alle die von hinnen schieden,
Alle Seelen ruhn in Frieden!

Alle Geister, die, voll Klarheit,
Wurden Märtyrer der Wahrheit,
Kämpften für das Heiligtum,
Suchten nicht der Marter Ruhm:
Alle die von hinnen schieden,
Alle Seelen ruhn in Frieden!

Und die nie der Sonne lachten,
Unterm Mond auf Dornen wachten,
Gott, in reinen Himmelslicht,
Einst zu sehn von Angesicht:
Alle die von hinnen schieden,
Alle Seelen ruhn in Frieden!

Und die gern im Rosengarten
Bei dem Freudenbecher harrten,
Aber dann, zur bösen Zeit,
Schmeckten seine Bitterkeit:
Alle die von hinnen schieden,
Alle Seelen ruhn in Frieden!

Auch die keinen Frieden kannten,
Aber Mut und Stärke sandten
Über leichenvolles Feld
In die halbentschlaf'ne Welt:
Alle die von hinnen schieden,
Alle Seelen ruhn in Frieden!

Ruh'n in Frieden alle Seelen,
Die vollbracht ein banges Quälen,
Die vollendet süßen Traum,
Lebenssatt, geboren kaum,
Aus der Welt hinüberschieden:
Alle Seelen ruhn in Frieden!

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: August 1816

Veröffentlichung (angezeigt): 21. April 1831

Originaltonart: Es-Dur

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Iris

Johann Georg Jacobi veröffentlichte das Gedicht Litaney auf das Fest aller Seelen 1776 in Band 6, S. 293 seiner gemeinsam mit Wilhelm Heinse herausgegeben IRIS. Literarischen Vierteljahrsschrift für Frauenzimmer.1 Diese Zeitschrift galt in Deutschland als eine der bekanntesten ihrer Art. Zahlreiche bekannte Autoren veröffentlichten darin ihre Texte. Die Zeitschrift wurde bereits im Jahr 1778 wegen finanzieller Schwierigkeiten wieder eingestellt.

Zur Musik

Schubert vertonte nur die erste, dritte und sechste Strophe der insgesamt neun Strophen des Gedichts. Die immer wiederkehrende Melodie und die gleichmäßig fließende Sechzehntel-Begleitung verleihen dem Gebet die selige Ruhe.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Das Autograph der zweiten Fassung findet sich im Liederalbum der Therese Grob mit der Überschrift Am Tage Aller Seelen. Der 17jährige Schubert verehrte die ein Jahr jüngere Therese, die in der Uraufführung seiner ersten Messe in F so schön den Solo-Sopran sang. So gelangten einige seiner Lieder in ihr Liederalbum. Pater Reinhard van Hoorickx erstellte 1969 ein Facsimile, welches sich in Kopie in verschiedenen Bibliotheken finden lässt.

Die Erstausgabe der ersten Fassung besorgte A.Diabelli&Co. als 10. Nachlaß-Lieferung unter dem Titel Litanei auf das Fest aller Seelen gemeinsam mit
Dem Unendlichen D 291
Die Gestirne D 444
Das Marienbild D 623
Vom Mitleiden Mariä D 632
Pax Vobiscum D 551
Gebet während der Schlacht D 171
Himmelsfunken D 651

In Musik gesetzt für eine Singstimme mit Pianoforte-Begleitung von Franz Schubert.

Deckblatt Nachlass 10

Aus der k.k. Wiener Zeitung vom 21. April 1831 2
Wiener Zeitung 1831 04 21


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 05, Nr. 342

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 10

Friedländer Bd. I » 242

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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