Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Karl Gottfried Ritter von Leitner (1800-1890)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Christoph Schnackertz - Piano
Aufnahme: Donnerstag, 21. Juli 2011 - Erfurt



Liedtext

Vater, du glaubst es nicht,
Wie's mir zum Herzen spricht,
Wenn ich die Wolken seh',
Oder am Strome steh';

Wolkengold, Wellengrün
Ziehen so leicht dahin,
Weilen im Sonnenlicht,
Aber bei Blumen nicht;

Zögern und rasten nie,
Eilen, als wüßten sie,
Ferne und ungekannt,
Irgend ein schönres Land.

Ach! von Gewölk und Flut
Hat auch mein wildes Blut
Heimlich geerbt den Drang,
Stürmet die Welt entlang!

Vaterlands Felsental
Wird mir zu eng, zu schmal,
Denn meiner Sehnsucht Traum
Findet darin nicht Raum.

Laßt mich! ich muß, ich muß
Fordern den Scheidekuß.
Vater und Mutter mein,
Müsset nicht böse sein!

Hab euch ja herzlich lieb;
Aber ein wilder Trieb
Jagt mich waldein, waldaus,
Weit von dem Vaterhaus.

Sorgt nicht, durch welches Land
Einsam mein Weg sich wand;
Monden- und Sternenschein
Leuchtet auch dort hinein.

Überall wölbt's Gefild
Sich den azur'nen Schild,
Den um die ganze Welt
Schirmend der Schöpfer hält.

Ach! und wenn nimmermehr
Ich zu euch wiederkehr',
Lieben, so denkt, er fand
Glücklich das schönre Land.

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: 1823

Veröffentlichung (angezeigt): 25. März 1823

Originaltonart: a

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Leitner 1857

Das 1821 geschriebene Gedicht wurde 1825 bei Sollinger in Wien veröffentlicht. Es findet sich auf Seite 10ff. des von Leitner selbst herausgegeben Gedichtbandes. Ein Digitalisat der Printausgabe kann online studiert werden.

Leitner und Schubert sind sich nie begegnet, wie Leitner selbst bezeugte.

Heinrich Kreissle von Hellborn schreibt in seinen biografischen Notizen zu Franz Schubert:

Auch der Dichter Gottfried Ritter von Leitner, der um das Jahr 1825 in die Familie eingeführt worden war, gehörte dem auserlesenen Kreise an, von welchem sich diese fortan umgeben sah, und jene von seinen Gedichten, welche Schubert in den Jahren 1827 und 1828 in Musik setzte, waren diesem von Frau Marie Pachler zur Composition empfohlen worden. 3

Allerdings schreibt Leitner selbst am 28. März 1858 an Ferdinand Luib:

Leider kann ich den in Ihrem verehrten Schreiben vom 17. d. M. ausgesprochenen Wünschen nicht in vollem Umfange entsprechen; denn mein Freund Dr. Faust Pachler hat sich in meinen Beziehungen zu Schubert geirrt, indem dieser während meiner zufälligen Abwesenheit von Graz hier auf Besuch war, und ich ihn überhaupt nie persönlich kennen lernte. 4

Und an Heinrich Schubert schreibt er am 24. Dezember 1881:

... Ich erlaube mir, in bezug auf mein Verhältnis zu Franz Schubert einen Irrtum zu berichtigen, der sich in einigen Biographien Ihres berühmten Verwandten eingeschlichen hat, und den Sie auch zu theilen scheinen. Ich habe nämlich leider nicht die Ehre genossen, ihn zu meinen persönlichen Bekannten zählen zu dürfen. Unsere küsntlerischen Beziehungen wurden immer nur durch andere vermittelt. ...
und weiter:
... aber Dr. Pachlers kunstsinnige Gemahlin, Marie Pachler, eine Virtuosin auf dem Pianoforte ... machte Schubert auf die im Sommer 1825 erschienene erste Auflage meiner Gedichte aufmerksam und verehrte ihm ein Exemplar dieses kleinen Bändchens. 5

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung geschah als Beilage zur Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode am 25.03.1823.

Ein weiteres Mal wurde das Lied als op. 71 von A. Diabelli & Co. am 25.03.1827 veröffentlicht.


Quelle(n)

3 Kreissle von Hellborn, Heinrich: Franz Schubert, Erstdruck: Wien (Carl Gerolds Sohn) 1865.

4 Deutsch, Otto Erich: Schubert, Die Erinnerungen seiner Freunde, Breitkopf & Härtel, Leipzig, 1957, S. 78

5 Deutsch, Otto Erich: Schubert, Die Erinnerungen seiner Freunde, Breitkopf & Härtel, Leipzig, 1957, S. 167ff.

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.463


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle imslp.org o.a.: Drang in die Ferne.pdf