Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748-1776)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 17. April 2013 - Berlin

Liedtext

Mir träumt', ich war ein Vögelein,
Und flog auf ihren Schoß,
Und zupft' ihr, um nicht laß zu sein,
Die Busenschleifen los;
Und flog, mit gaukelhaftem Flug,
Dann auf die weiße Hand,
Dann wieder auf das Busentuch,
Und pickt' am roten Band.

Dann schwebt' ich auf ihr blondes Haar,
Und zwitscherte vor Lust,
Und ruhte, wann ich müde war,
An ihrer weißen Brust.
Kein Veilchenbett im Paradies
Geht diesem Lager vor.
Wie schlief sich's da so süß, so süß,
An ihres Busens Flor!

Sie spielte, wie ich tiefer sank,
Mit leisem Fingerschlag,
Der mir durch Leib und Leben drang,
Mich frohen Schlummrer wach,
Sah mich so wunderfreundlich an,
Und bot den Mund mir dar,
Daß ich es nicht beschreiben kann,
Wie froh, wie froh ich war.

Da trippelt' ich auf einem Bein
Und hatte so mein Spiel,
Und spielt' ihr mit dem Flügelein
Die rote Wange kühl,
Doch ach! kein Erdenglück besteht,
Tag sei es oder Nacht!
Schnell war mein süßer Traum verweht,
Und ich war aufgewacht.

Ich träumt', ich war ein Vögelein,
Und flog auf ihren Schooß,
Und zupft' ihr, um nicht laß zu seyn,
Die Busenschleifen los,
Und flog, mit gaukelhaftem Flug,
Dann auf die weiße Hand,
Dann wieder auf das Busentuch,
Und pickt' am rothen Band.

Dann schwebt' ich auf ihr blondes Haar,
Und zwitscherte vor Lust,
Und ruhte, wann ich müde war,
An ihrer weißen Brust.
Kein Veilchenbett' im Paradies
Geht diesem Lager vor.
Wie schlief sich's da so süß, so süß,
Auf ihres Busens Flor!

Sie spielte, wie ich tiefer sank,
Mit leisem Fingerschlag,
Der mir durch Leib und Leben drang,
Mich frohen Schlummrer wach;
Sah mich so wunderfreundlich an,
Und bot den Mund mir dar,
Daß ich es nicht beschreiben kann,
Wie froh, wie froh ich war.

Da trippelt' ich auf einem Bein,
Und hatte so mein Spiel,
Und spielt' ihr mit dem Flügelein
Die rothe Wange kühl.
Doch ach! kein Erdenglück besteht,
Es sey Tag oder Nacht!
Schnell war mein süßer Traum verweht,
Und ich war aufgewacht.

Mir träumt', ich war ein Vögelein,
Und flog auf ihren Schooss,
Und zupft' ihr, um nicht lapp zu sein,
Die Busenschleife los;
Und flog mit gaukelhaften Flug,
Dann auf die weiße Hand,
Dann wieder auf das Busentuch,
Und pickt' am rothen Band.

Dann schwebt' ich auf ihr blondes Haar
Und zwitscherte vor Lust,
Und ruhte, wann ich müde war,
An ihrer weißen Brust.
Kein Veilchenbett im Paradies
Geht diesem Lager vor.
Wie schlief sich's da so süß, so süß,
An ihres Busens Flor!

Sie spielte, wie ich tiefer sank,
Mit leisem Fingerschlag,
Der mir durch Leib und Leben drang,
Mich frohen Schlummrer wach;
Sah mich so wunderfreundlich an,
Und both den Mund mir dar:
Daß ich es nicht beschreiben kann,
Wie froh, wie froh ich war.

Da trippelt' ich auf einem Bein,
Und hatte so mein Spiel,
Und spielt ihr mit dem Flügelein
Die rothe Wange kühl.
Doch ach! kein Erdenglück besteht,
Tag sei es oder Nacht.
Schnell war mein süßer Traum verweht,
Und ich war aufgewacht.

Erstdruck

Zum Text

Ludwig Christoph Heinrich Hölty muss ein ungeheuer wissbegieriger Mensch gewesen sein. Schon als kleiner Junge las er alles, was er in die Hände bekam. Man sagt, er sei ein sehr hübscher Junge gewesen. Jedoch wurde er von Blattern entstellt genau in der Woche, in der auch seine Mutter an Schwindsucht starb. Er selbst durfte kaum 28 Jahre alt werden, als auch ihn die Schwindsucht hinweg raffte. 2.1

Die vorliegende Ballade schrieb Hölty 1775. Unter dem gleichnamigen Titel Ballade erschien sie 1776 im Hamburger Musenalmanach (poetische Blumenlese) herausgegeben von Johann Heinrich Voss auf S. 230f.

Digitalisat des Erstdrucks Österreichische Nationalbibliothek

Weitere Veröffentlichungen:
Mit dem Titel Der Traum im Gedichtband aus dem Jahr 1804 auf Seite 175.2.1

Hölty, Ludwig Christoph Heinrich, and Bauer, Bernhard Philipp Verleger. Ludw. Heinr. Ch. Hölty's Gedichte. Neueste Auflage ed. Wien: Bey B. Ph. Bauer, 1816 S.39

Textbild
Ludwig Christoph Heinrich Hölty.
In: Gedichte, Wien: F. A. Schrämbl, 1790

Zur Musik

komponiert: 17. Juni 1815

Veröffentlichung (angezeigt): 1865

Originaltonart: A-Dur

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Schubert hat in seinen beiden produktivsten Jahren 1815 und 1816, zählt man alle laut Deutsch-Verzeichnis vorliegenden Lieder, Fassungen, Bearbeitungen und Entwürfe zusammen, insgesamt 40 mal Texte von Hölty vertont.
Unter diesen Vertonungen findet sich unter anderem eines der bekanntesten Schubertlieder - die Seligkeit D433.

Die Textänderungen in Schuberts Version stammen augenscheinlich aus dem Abdruck der Ballade im Gedichtband von Bauer aus dem Jahr 1816, sodass man davon ausgehen darf, dass Schubert eben diesen Gedichtband in Händen hielt, als er Höltys Text in Musik fasste.

Alle bisher eingespielten Hölty-Vertonungen auf dieser Webseite.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung besorgte Carl Anton Spina als Nachlass op. 172 VN 16784 4.1

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 02, Nr. 80

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 08

Friedländer Bd. VI » 096

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

2.1 Voss, Johann Heinrich: Gedichte von L.H.C.Hölty, Verlag Carl Ernst Bohn, Hamburg, 1804

4.1 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen Schubert, Franz Op. 172. Aus dem Nachlasse. Wien: C. A. Spina, Sig.: SA.87.B.172

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.141

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Der Traum.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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