Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Wir empfehlen Ihnen, die Lieder mit einem Kopfhörer anzuhören!

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Dienstag, 18. August 2009 - Erfurt



Liedtext

Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer
Vom Meere strahlt;
Ich denke dein, wenn sich des Mondes [Flimmer]1.1
In Quellen mahlt.

Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege
Der Staub sich hebt;
In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen [Stege]1.2
Der Wandrer bebt.

Ich höre dich, wenn dort mit dumpfem Rauschen
Die Welle steigt.
Im stillen [Haine]1.3 geh' ich oft zu lauschen,
Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir, du seyst auch noch so ferne,
Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt, [bald]1.4 leuchten mir die Sterne.
O wärst du da!

1.1 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "Schimmer"
1.2 Schubert: "Wege"
1.3 Schubert: "Hain, da"
1.4 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "es"

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: 27. Februar 1815

Veröffentlichung (angezeigt): 9. Juli 1821

Originaltonart: Ges-Dur

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Johann Wolfgang von Goethe im 80. Lebensjahr
Joseph Karl Stieler

Goethes schrieb sein Gedicht Nähe des Geliebten 1775 im Alter von 26 Jahren. Es erscheint erstmals im Musen-Almanach für das Jahr 1796, herausgegeben von Schiller, Neustrelitz, Hofbuchhändler Michaelis auf Seite 5. Ein Digitalisat des Musen-Almanachs ist online verfügbar. 2.1 Eine Komposition von Johann Friedrich Reichardt ist gleich beigelegt:

Zur Musik

Das Verhältnis zwischen Schubert und Goethe war ambivalent. Während Schubert den 48 Jahre älteren Meister verehrte, hat Letzterer ihn kaum beachtet. Obwohl Goethe einige seiner vertonten Gedichte durch eine Sendung Joseph von Spauns erhielt, gelang es Schubert nicht, mit seinen Kompositionen bis zu Goethe durchzudringen. Zu fremd waren den Ohren des alten Meisters der Klassik die neuen Klänge. 3.1
1830, zwei Jahre nach Schuberts Tod, soll Goethe den Erlkönig, gesungen von Wilhelmine Schröder-Devrient gehört haben. Ob ihm tatsächlich die Komposition, oder das junge Mädchen gefallen hat, bleibt dahingestellt. 3.2

Schubert vertonte 62 Texte von Goethe, manche sogar mehrmals. Am Ende liegen uns heute fast 80 Kompositionen vor. Viele davon sind Lieder. Einige für mehrere Stimmen und Instrumente.

Schubert war 18 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Hier geht es zur ersten Fassung.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Das Manuskript zum Lied kann online studiert werden. Eine Reinschrift, die auch der Stichvorlage diente, ist in der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz zu finden.

Die Erstveröffentlichung besorgte Cappi und Diabelli als op. 5 4.1

Rastlose Liebe D 138,
Nähe des Geliebten D 162,
Der Fischer D 225,
Erster Verlust D 226 und
Der König in Thule D 367.
Gedichte von Goethe.

Für eine Singstimme mit Begleitung des Piano-Forte in Musik gesetzt und dem Wohlgebronen Herrn Anton Salieri k.k. ersten Hofkapellmeister, Inhaber der großen goldenen Civil Ehrenmedaille, Ritter der königl. französischen Ehrenlegion, Vicepräses der Wittwen und Waisengesellschaft der Tonkünstler in Wien, Mitglied des französ. National Instituts, und des musikal. Conservatoriums in Paris, dann der kön. schwedischen musikal. Gesellschaft in Stockholm hochachtungsvoll gewidmet von Franz Schubert.

Deckblatt opus 5

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 09. Juli 1821 4.2

Wiener Zeitung 1821 07 09

"Bey Cappi und Diabelli,
Kunst- und Musikhändler, Am Graben 1133
ist neu erschienen und zu haben:
Rastlose Liebe,
Nähe des Geliebten, der Fischer, erster Verlust, und der König in Thule.
Gedichte von Goethe.
Für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte in Musik gesetzt von Franz Schubert.
Fünftes Werk. Preis 1fl. 30kr. W.W.
Die Compositionen dieses Tonsetzers bedürfen keiner Anempfehlung, da sich ihr innerer Werth zu klar ausspricht, als daß ihn nicht jeder Kunstliebhaber fühlen, jeder Kenner unbedingt anerkennen müßte.
Goethe's Meisterdichtungen dürften schwerlich auf würdigere Art in Töne gesetzt werden können, als es in den vorliegenden, mit Sorgfalt ausgewählten und zusammengestellten Compositionen geschehen ist."


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 02, Nr. 49b

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 01

Bärenreiter Urtext I » 32

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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