Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Sir Walter Scott (1771-1832)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Christoph Schnackertz - Piano
Aufnahme: Donnerstag, 21. Juli 2011 - Erfurt

Liedtext

Mein Roß so müd' in dem Stalle sich steht,
Mein Falk' ist der Kapp und der Stange so leid,
Mein müßiges Windspiel sein Futter verschmäht,
Und mich kränkt des Turmes Einsamkeit.

Ach, wär ich nur, wo ich zuvor bin gewesen.
Die Hirschjagd wäre so recht mein Wesen!
Den Bluthund los, gespannt den Bogen:
Ja, solchem Leben bin ich gewogen!

Ich hasse der Turmuhr schläfrigen Klang,
Ich mag nicht seh'n, wie die Zeit verstreicht,
Wenn Zoll um Zoll die Mauer entlang
Der Sonnenstrahl so langsam schleicht.

Sonst pflegte die Lerche den Morgen zu bringen,
Die dunkle Dohle zur Ruh' mich zu singen;
In dieses Schlosses Königshallen,
Da kann kein Ort mir je gefallen.

Früh, wenn der Lerche Lied erschallt,
Sonn' ich mich nicht in Ellen's Blick,
Nicht folg' ich dem flüchtigen Hirsch durch den Wald,
Und kehre, wenn Abend taut, zurück.

Nicht schallt mir ihr frohes Willkommen entgegen,
Nicht kann ich das Wild ihr zu Füßen mehr legen,
Nicht mehr wird der Abend uns selig entschweben:
Dahin, dahin ist Lieben und Leben.

Mein Roß so müd in dem Stalle sich steht,
Mein Falk ist der Kapp' und der Stange so leid,
Mein müßiges Windspiel sein Futter verschmäht,
Und mich kränkt des Thurmes Einsamkeit.
Ach wär' ich nur, wo ich zuvor bin gewesen,
Die Hirschjagd wäre so recht mein Wesen,
Den Bluthund los, gespannt den Bogen:
Ja solchem Leben bin ich gewogen.

Ich hasse der Thurmuhr schläfrigen Klang,
Ich mag nicht sehn, wie die Zeit verstreicht,
Wenn Zoll um Zoll die Mauer entlang
Der Sonnenstrahl so langsam schleicht.
Sonst pflegte die Lerche den Morgen zu bringen,
Die dunkle Dohle zur Ruh mich zu singen;
In dieses Schlosses Königshallen
Ist kein Ort, der mir kann gefallen.

Früh, wenn der Lerche Lied erschallt,
Sonn' ich mich nicht in Ellens Blick,
Nicht folg' ich dem flüchtigen Hirsch durch den Wald,
Und kehre, wenn Abend thaut, zurück;
Nicht schallt mir ihr frohes Willkommen entgegen,
Nicht kann ich das Wild ihr zu Füßen mehr legen,
Nicht mehr wird der Abend uns selig entschweben:
Dahin, dahin ist Lieben und Leben! –

Mein Roß so müd in dem Stalle sich steht,
Mein Falk ist der Kapp und der Stange so leid,
Mein müssiges Windspiel sein Futter verschmäht,
Und mich kränkt des Thurmes Einsamkeit.
Ach wär' ich nur wo ich zuvor bin gewesen,
Die Hirschjagd wäre so recht mein Wesen,
Den Bluthund los, gespant den Bogen,
Ja solchem Leben bin ich gewogen.

Ich hasse der Thurmuhr schläfrigen Klang,
Ich mag nicht sehn, wie die Zeit verstreicht,
Wenn Zoll um Zoll die Mauer entlang
Der Sonnenstrahl so langsam schleicht.
Sonst pflegte die Lerche den Morgen zu bringen,
Die dunkle Dohle zur Ruh mich zu singen;
In dieses Schlosses Königshallen
Da kann kein Ort mir je gefallen.

Früh, wenn der Lerche Lied erschallt,
Sonn' ich mich nicht in Ellens Blick,
Nicht folg ich dem flüchtigen Hirsch durch den Wald,
Und kehre, wen Abend thaut, zurück;
Nicht schallt mir ihr frohes Willkommen entgegen,
Nicht kann ich das Wild ihr zu Füßen mehr legen,
Nicht mehr wird der Abend uns selig entschweben:
Dahin dahin ist Lieben und Leben.

Zum Text

Sir Walter Scott war zu seiner Zeit so etwas wie ein Bestseller-Autor. Unter anderem die epische Verserzählung Das Fräulein vom See war ein regelrechter Verkaufsschlager und traf den Nerv der Zeit. Das Buch wurde in verschiedene Sprachen übersetzt. Die deutsche Fassung besorgte Adam Storck (1780-1822). Das Lied vom gefangenen Jäger (Lap of the imprisoned huntsman) steht im sogenannten Canto VI: The Guard-room („Das Wachlokal“). Es wird von Malcolm gesungen, der vom King James gefangen gehalten wird und in Ellen verliebt ist.

Erstausgabe der englischen Originalversion

Erstausgabe der deutschen Version von Adam Storck

Zur Musik

komponiert: April 1825

Veröffentlichung (angezeigt): 05. April 1826

Originaltonart: d-Moll

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Schubert vertonte im Jahr 1825 sieben Gedichte aus den zu seiner Zeit berühmten Verserzählungen von Sir Walter Scott. Die aus Das Fräulein vom See stammende Hymne an die Jungfrau (Ellens dritter Gesang) zählt zu den berühmtesten Vertonungen Schuberts und wird oft als Schuberts Ave Maria bezeichnet.

Liste der Scott-Vertonungen auf dieser Webseite

Gemeinsam mit dem Sänger Johann Michael Vogl bereiste Schubert im Jahr 1825 Oberösterreich. Er hielt sich in Linz bei Familie Spaun auf (sein Freund Josef Spaun war zu diesem Zeitpunkt bereits nach Lemberg versetzt worden) und besuchte unter anderem in der Zeit von 19. Juli bis 25. Juli 1825 Schloss Steyregg, das dazumal von Graf und Gräfin Weissenwolff bewohnt wurde.3.1

Franz Schubert an seine Eltern (25.07.1825)
"Von Gmunden gingen wir über Puschberg, wo wir einige Bekannte antrafen und uns einige Tage aufhielten, nach Linz, wo wir acht Tage verweilten, die wir wechselweise in Linz selbst und in Steyreck zubrachten."

Die beiden Adligen waren Bewunderer von Schubert und die Gräfin besaß eine schöne Singstimme, mit der sie unter anderem die gerade neu entstandenen Lieder aus dem Fräulein vom See sang. Schubert widmete ihr diese Lieder.3.1

"In Steyreck kehrten wir bei der Gräfin Weißenwolf ein, die eine große Verehrerin meiner Wenigkeit ist, alle meine Sachen besitzt und auch manches recht hübsch singt. Die Walter Scott'schen Lieder machten einen so überaus günstigen Eindruck auf sie, daß sie sogar merken ließ, als wäre ihr die Dedication derselben nichts weniger als unangenehm."

Er war offenbar auch daran interessiert, im Ausland bekannt zu werden. Daher entschied er sich, die Lieder in englischer und deutscher Sprache drucken zu lassen. Dies geht aus dem bereits zitierten Brief vom 25. Juli 1825 an seine Familie hervor: 3.1

"Mit der Herausgabe dieser Lieder gedenke ich aber doch eine andere Manipulation zu machen als die gewöhnliche, bei der gar so wenig herausschaut, indem sie den gefeierten Namen des Scott an der Stirn tragen und auf diese Art mehr Neugierde erregen könnten und mich bei Hinzufügung des englischen Textes auch in England berühmter machen würden."

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstausgabe besorgte Matthias Artaria in zwei Heften VN 813/814 als op. 52 4.1

Sieben Gesänge aus Walter Scott's Fräulein vom See in Musik gesetzt mit Begleitung des Pianoforte und der Hochgebornen Frau Frau Sophie Gräfin v. Weissenwolf geborne Gräfin v. Breunner hochachtungsvoll gewidmet von Franz Schubert

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 5.4.18264.2

 

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 08, Nr. 475

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 13

Friedländer Bd. II » 106

Bärenreiter Urtext II » 94

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

3.1 Kreissle von Hellborn, Heinrich: Franz Schubert, Erstdruck: Wien (Carl Gerolds Sohn) 1865. S. 348ff.

4.1 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Sieben Gesänge aus Walter Scott's Fräulein vom See, Franz Schubert Op. 52 IItes Heft. Eigenthum des Verlegers. (Gesang, Klavier.) Erstdruck

4.2 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, ANNO, Digitalisierte Zeitungen und Zeitschriften, Allgemeine Wiener Zeitung Jhg. 1826, Ausgabe vom 05. April, S. 3

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.531

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Lied des gefangenen Jägers.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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