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  • Morgenlied

    Eh' die Sonne früh aufersteht, Wenn aus dem dampfenden Meer Herauf und herunter das Morgenrot weht, Voranfährt mit dem leuchtenden Speer - Flattern Vöglein dahin und daher, Singen fröhlich die Kreuz und die Quer, Ein Lied, ein jubelndes Lied. Was...

  • Lob der Tränen

    Laue Lüfte, Blumendüfte, Alle Lenz- und Jugendlust, Frischer Lippen Küsse nippen, Sanft gewiegt an zarter Brust; Dann der Trauben Nektar rauben, Reihentanz und Spiel und Scherz: Was die Sinnen Nur gewinnen: Ach, erfüllt es je das Herz? Wenn die...

  • Erlkönig - 4. Fassung

    Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in dem Arm, Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm. «Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?» – «Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig...

  • Meeres Stille - Zweite Bearbeitung

    Tiefe Stille herrscht im Wasser, Ohne Regung ruht das Meer, Und bekümmert sieht der Schiffer Glatte Fläche rings umher. Keine Luft von keiner Seite! Todesstille fürchterlich! In der ungeheuren Weite Reget keine Welle sich.

  • Wandrers Nachtlied (Der du von dem Himmel bist)

    Der du von dem Himmel bist, Alles Leid und Schmerzen stillest, Den, der doppelt elend ist, Doppelt mit Erquickung füllest, Ach! ich bin des Treibens müde! Was soll all der Schmerz und Lust? Süßer Friede, Komm, ach komm in meine Brust!

  • Der Fischer

    Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll, Ein Fischer saß daran, Sah nach dem Angel ruhevoll, Kühl bis ans Herz hinan. Und wie er sitzt und wie er lauscht, Teilt sich die Flut empor: Aus dem bewegten Wasser rauscht Ein feuchtes Weib hervor. Sie sang zu...

  • Erster Verlust

    Ach wer bringt die schönen Tage, Jene Tage der ersten Liebe, Ach wer bringt nur eine Stunde Jener holden Zeit zurück! Einsam nähr' ich meine Wunde Und mit stets erneuter Klage Traur' ich um's verlorne Glück. Ach, wer bringt die schönen Tage, [Jene...

  • Heidenröslein

    Sah ein Knab' ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden, War so jung und morgenschön, Lief er schnell, es nah zu sehn, Sah's mit vielen Freuden. Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden. Knabe sprach: Ich breche dich, Röslein auf der...

  • Der König in Thule

    Es war ein König in Thule, Gar treu bis an das Grab, Dem sterbend seine Buhle Einen goldnen Becher gab. Es ging ihm nichts darüber, Er leert' ihn jeden Schmaus; Die Augen gingen ihm über, So oft er trank daraus. Und als er kam zu sterben, Zählt' er...

  • Jägers Abendlied - Zweite Bearbeitung

    Im Felde schleich' ich still und wild, Gespannt mein Feuerrohr. Da schwebt so licht dein liebes Bild Dein süßes Bild mir vor. Du wandelst jetzt wohl still und mild Durch Feld und liebes Tal, Und ach mein schnell verrauschend Bild Stellt sich dir's...

  • Der Flug der Zeit

    Es floh die Zeit im Wirbelfluge Und trug des Lebens Plan mit sich. Wohl stürmisch war es auf dem Zuge, Beschwerlich oft und widerlich. So ging es fort durch alle Zonen, Durch Kinderjahre, durch Jugendglück, Durch Täler, wo die Freuden wohnen, Die...

  • Du liebst mich nicht - Zweite Fassung

    Mein Herz ist zerrissen, du liebst mich nicht! Du ließest mich's wissen, du liebst mich nicht! Wiewohl ich dir flehend und werbend erschien, Und liebebeflissen, du liebst mich nicht! Du hast es gesprochen, mit Worten gesagt, Mit allzugewissen, du...

  • Schäfers Klagelied - Erste Fassung

    Da droben auf jenem Berge, Da steh' ich tausendmal, An meinem Stabe [gebogen]1.1 Und schaue hinab in das Thal. Dann folg' ich der weidenden Herde, Mein Hündchen bewahret mir sie. Ich bin herunter gekommen Und weiß doch selber nicht wie. Da stehet von...

  • Rastlose Liebe - Erste Fassung

    Dem Schnee, dem Regen, Dem Wind entgegen, Im Dampf der Klüfte, Durch Nebeldüfte, Immer zu! Immer zu! Ohne Rast und Ruh! Lieber durch Leiden [Möcht']1.1 ich mich schlagen, Als so viel Freuden Des Lebens ertragen. Alle das Neigen Von Herzen zu Herzen,...

  • Am Grabe Anselmos - Zweite Fassung

    Daß ich dich verloren habe, Daß du nicht mehr bist, Ach, daß hier in diesem Grabe Mein Anselmo ist, Das ist mein Schmerz! das ist mein Schmerz!!! – Seht, [wir liebten uns, wir]1.1 Beide, Und, so lang' ich bin kommt Freude Niemals wieder in mein Herz....

  • Nähe des Geliebten - Zweite Fassung

    Ich denke dein, wenn mir der Sonne Schimmer Vom Meere strahlt; Ich denke dein, wenn sich des Mondes [Flimmer]1.1 In Quellen mahlt. Ich sehe dich, wenn auf dem fernen Wege Der Staub sich hebt; In tiefer Nacht, wenn auf dem schmalen [Stege]1.2 Der...

  • Memnon

    Den Tag hindurch nur einmal mag ich sprechen, Gewohnt zu schweigen immer, und zu trauern: [Wann]1 durch die nachtgebornen Nebelmauern Aurorens Purpurstrahlen liebend brechen. Für Menschenohren sind es Harmonien. Weil ich die Klage selbst melodisch...

  • Antigone und Oedip

    Antigone: Ihr hohen Himmlischen erhöret Der Tochter herzentströmtes Flehn1: Laßt einen kühlen Hauch des Trostes In Oedips2 große Seele wehn. Genüget, euren Zorn zu sühnen, Dieß junge Leben - nehmt es hin; Und eurer Rache Strahl3 vernichte Die tief...

  • Am Grabe Anselmos - Erste Fassung

    Daß ich dich verloren habe, Daß du nicht mehr bist, Ach! daß hier in diesem Grabe Mein Anselmo ist, Das ist mein Schmerz! das ist mein Schmerz!!! - Seht, [wir liebten uns, wir]1 beide, Und, so lang' ich bin, kommt Freude Niemals wieder in mein Herz. 1...

  • Der Blumen Schmerz

    Wie tönt es mir so schaurig Des Lenzes erstes Weh'n, Wie dünkt es mir so traurig, Daß Blumen auferstehn. In ihrer Mutter Armen Da ruhten sie so still Nun müssen, ach, die Armen Hevor ans Weltgewühl. Die zarten Kinder heben Die Häupter scheu empor: Wer...


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