Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Friedrich von Schiller (1759-1805)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 28. August 2013 - Berlin

Liedtext

heutige Schreibweise

Ach, aus dieses Tales Gründen,
Die der kalte Nebel drückt,
Könnt' ich doch den Ausgang finden,
Ach, wie fühlt' ich mich beglückt!
Dort erblick' ich schöne Hügel,
Ewig jung und ewig grün!
Hätt' ich Schwingen hätt ich Flügel,
Nach den Hügeln zög' ich hin.

Harmonieen hör' ich klingen,
Töne süßer Himmelsruh',
Und die leichten Winde bringen
Mir der Düfte Balsam zu,
Gold'ne Früchte seh' ich glühen,
Winkend zwischen dunkelm Laub,
Und die Blumen, die dort blühen,
Werden keines Winters Raub.

Ach wie schön muß sich's ergehen
Dort im ew'gen Sonnenschein,
Und die Luft auf jenen Höhen,
O wie labend muß sie sein!
Doch mir wehrt des Stromes Toben,
Der ergrimmt dazwischen braust,
Seine Wellen sind gehoben,
Daß die Seele mir ergraust.

Einen Nachen seh ich schwanken,
Aber ach! der Fährmann fehlt.
Frisch hinein und ohne Wanken,
Seine Segel sind beseelt.
Du mußt glauben, du mußt wagen,
Denn die Götter leih'n kein Pfand,
Nur ein Wunder kann dich tragen
In das schöne Wunderland.

Zum Text

In seinem Gedicht "Sehnsucht" wendet sich der Klassiker Friedrich Schiller von seiner Epoche ab und öffnet ein Tor zur Romantik. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Schubert von diesem Gedicht zu zwei Vertonungen inspiriert wurde, von denen die frühere noch weitaus klassischere Züge trägt, als die spätere. Schillers von der Weimarer Klassik beeinflusste Gedanken zur gesellschaftspolitischen Situation seiner Zeit finden in diesem Gedicht eine Entsprechung in der Natur.
Er schrieb sein Gedicht 1801. Es erschien 1804 in Gedichte von Friederich Schiller, Zweiter Theil, Leipzig, 1805, bey Siegfried Lebrecht Crusius. Es findet sich auf den Seiten 23ff. Man kann die Veröffentlichung als Digitalisat der Oxford University bei Google-Books nachlesen.

Textbild
Gedichte Schiller, Bd. 2

Zur Musik

komponiert: 1821

Veröffentlichung (angezeigt): 08. Februar 1826

Originaltonart: E-Dur

Liedform: durchkomponiert

Besonderheiten:

Schubert und Schiller sind sich nie begegnet, denn Schubert war erst 8 Jahre und 3 Monate alt, als Schiller starb. Dennoch haben die Texte und Gedichte Friedrich Schillers offenbar einen tiefen Eindruck auf Schubert gemacht und ihn immer wieder zu Vertonungen inspiriert.
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass er 39 Texte von Schiller in Musik fasste. Dazu zählen die ersten uns bekannten Vertonungen ebenso wie einige der letzten, die Schubert schrieb.
Zählt man alle Fragmente und Entwürfe zusammen, die heute laut Deutschverzeichnis bekannt sind, so kommt man auf nicht weniger als 77 Werke, die uns vorliegen. Die meisten entstanden in der Jugend Schuberts. Allein 66 Kompositionen in der Zeit zwischen 1811 und 1817. In dieser Zeit war Schubert zwischen 14 und 20 Jahre alt.

Schiller-Vertonungen auf dieser Homepage.

Schubert vertonte den Text zweimal. Das erste Mal mit nur 16 Jahren im Jahr 1813 (D 52) und in der hier vorliegenden Version mit 24 Jahren im Jahr 1821. Wobei uns von letzterer sogar 3 Fassungen vorliegen.

Rezension aus der Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung. Jahrg. 28 (1826). 3.1

"Hr. Sch. hat unter der beträchtlichen Anzahl seiner Gesänge beym Klavier mehre sehr gute und einige treffliche Stücke geliefert. Für das eigentliche Lied scheint er weniger geeignet zu seyn, als für durchcomponirte Stücke, vierstimmige, oder für Eine Stimme mit obligater, wohl auch bis zum Uebermaass voller Begleitung. So ist z. B. sein Göthe'scher Erlkönig zwar ein höchstüberladenes, und, auszuführen, ein gewaltiges Stück Arbeit: aber Geist und Leben überhaupt, so wie im Ausdruck eine gewisse geheime Teufeley, ist wirklich darin. Hier nun, in Schillers Sehnsucht, (gleichfalls durchcomponirt, mit obligater, gar nicht sparsamer Begleitung) hat er freylich sich mehr beschränkt, doch aber, unserm Urtheile nach, für Ausmalung mancher Einzelnheiten noch zu viel, und darüber für das, was beym Dichter durch das Ganze als Grundton der Empfindung feststeht, zu wenig gethan. Interessant ist das Stück dennoch, wenigstens in einigen Abschnitten: es kömmt aber der weit frühern Composition, gleichfalls in dieser Art, von Conr. Kreutzer, nicht bey. Sollte diese, vielleicht Kreutzers allerbeste aus diesem ganzen Fache, Hrn. Sch. nicht bekannt oder er der Meynung seyn, sie übertroffen zu haben? Wohl das Erste! Sein Werkchen wird darum doch, und mit Recht, gern gesungen, gern gehört werden. Es ist eigentlich für eine Bassoder Altstimme: aber ein tiefer Sopran kann es auch vortragen. Schwer ist es für Sänger und Spieler nicht."

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Digitalisat des Autographs der ersten Fassung dieses Liedes ab Takt 56 findet man online bei der British Library.

Ein Digitalisat des Autographs der zweiten Fassung dieses Liedes findet man als Digitalisat online in der Library of Congress Washington D.C.

Die Erstveröffentlichung besorgte A. Pennauer als op. 39 4.1

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 08. Februar 1826: 4.2

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 06, Nr. 357

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 02

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

3.1 Allgemeine musikalische Zeitung., Jahrg. 28 (1826). Ausgabe vom 19. Juli S. 480

4.1 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Erstdruck

4.2 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, ANNO, Digitalisierte Zeitungen und Zeitschriften, Allgemeine Wiener Zeitung Jhg. 1826 Ausgabe vom 08.02. S. 3

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.368

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Sehnsucht.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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