Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Christoph Schnackertz - Piano
Aufnahme: Donnerstag, 21. Juli 2011 - Erfurt

Liedtext

heutige Schreibweise

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst,
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
[An]1.1 Eichen dich und Bergeshöhn;
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Gluth
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts [Ärmeres]1.2
Unter der Sonn', als euch, Götter!
Ihr [nähret]1.3 kümmerlich
[Von]1.4 Opfersteuern
[Und]1.5 Gebetshauch
Eure Majestät,
[Und]1.6 darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Thoren.

Da ich ein Kind war,
Nicht wußte wo aus noch ein,
Kehrt' ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär'
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz, wie mein's,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir
Wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht Alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
Blüthenträume reiften?

Hier sitz' ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

1.1 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "Mit"
1.2 Goethe (1789): "ärmers"
1.3 Schubert: "nährt"
1.4 Schubert (Alte Gesamtausgabe): "Vom"
1.5 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "Vom"
1.6 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "Ihr"

Zum Text

Goethe war 23 Jahre alt und mitten im Sturm und Drang, als er 1772-74 das vorliegende Gedicht verfasste. Es wurde zum ersten Mal anonym 1785 in Friedrich Heinrich Jacobi's Ueber die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn zwischen den Seiten 48 und 49 veröffentlicht. 2.1
In Goethe's Schriften Band 8 bei Georg Joachim Göschen in Leipzig erscheint es auf Seite 207ff. 2.2
Das Gedicht findet sich ebenfalls in Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Zweyter Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cotta'schen Buchhandlung, 1827, S. 76f. Als Digitalisat ist es bei hathitrust.org abrufbar.

Über die mythologische Gestalt Prometheus kann man sich bei Wikipedia.org informieren. 2.3

Textbild
Johann Wolfgang von Goethe im 80. Lebensjahr
Joseph Karl Stieler

Zur Musik

komponiert: Oktober 1819

Veröffentlichung (angezeigt): 1850

Originaltonart: B-Dur

Liedform: durchkomponiert

Besonderheiten:

Das Verhältnis zwischen Schubert und Goethe war ambivalent. Während Schubert den 48 Jahre älteren Meister verehrte, hat Letzterer ihn kaum beachtet. Obwohl Goethe einige seiner vertonten Gedichte durch eine Sendung Joseph von Spauns erhielt, gelang es Schubert nicht, mit seinen Kompositionen bis zu Goethe durchzudringen. Zu fremd waren den Ohren des alten Meisters der Klassik die neuen Klänge. 3.1
1830, zwei Jahre nach Schuberts Tod, soll Goethe den Erlkönig, gesungen von Wilhelmine Schröder-Devrient gehört haben. Ob ihm tatsächlich die Komposition, oder das junge Mädchen gefallen hat, bleibt dahingestellt. 3.2

Schubert vertonte 62 Texte von Goethe, manche sogar mehrmals. Am Ende liegen uns heute fast 80 Kompositionen vor. Viele davon sind Lieder. Einige für mehrere Stimmen und Instrumente.

Schubert war 22 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung besorgte A. Diabelli et Comp. Wien, VN 8836 als Nachlass-Lieferung 47 4.1

Prometheus. D 674
Wer kauft Liebesgötter? D 261
Der Rattenfänger. D 225
Nachtgesang. D 119
An den Mond.D 259

Gedichte von Goethe. In Musik gesetzt für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte von Franz Schubert.

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 06, Nr. 370

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 12

Friedländer Bd. III » 212

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

2.1 Friedrich Heinrich Jacobi, Ueber die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Moses Mendelssohn, Verlag Gottlieb Löwe, Breslau, 1785

2.2 Österreichische Nationalbibliothek, Digitale Sammlungen, Goethe's Schriften, Achter Band, Leipzig, bey Georg Joachim Göschen, 1789, S. 113, Sig. 621651-A.8

3.1 Gülke, Peter: Goethes »Versäumnisse«, in: Blog Klassik Stiftung Weimar, 08. September 2015

3.2 Windmeißer, Renate: Neue Chance für Schubert, in: BR Klassik, Was heute geschah, 24. April 2018

4.1 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Ant. Diabelli & Co., Wien, Erstdruck Nachlass 47, Sig. SH.Schubert.583

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.392

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Prometheus.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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