Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Freitag, 18. Juli 2008 - Berlin

Liedtext

heutige Schreibweise

Dioskuren, [Zwillingsterne]1,
Die ihr leuchtet meinem Nachen,
Mich beruhigt auf dem Meere
Eure Milde, euer Wachen.

Wer auch, fest in sich begründet,
Unverzagt dem Sturm begegnet;
Fühlt sich doch in euren Strahlen
Doppelt muthig und gesegnet.

Dieses Ruder, das ich schwinge,
Meeresfluthen zu zertheilen;
Hänge ich, so ich geborgen,
Auf an eures Tempels Säulen.

1 Schubert: "Zwillingssterne"

Zum Text

Das Gedicht trägt bei Mayrhofer den Titel Schiffers Nachtlied.
Johann Mayrhofer veröffentlichte seine Gedichte 1824 bei der eher kleinen Verlagsbuchhandlung Friedrich Volke in Wien. Diese Veröffentlichung ist als Digitalisat in der Österreichischen Nationalbibliothek online studierbar. Schiffers Nachtlied findet sich auf Seite 183. 2

Bei den Dioskuren handelt es sich um die beiden Halb- und Zwillingsbrüder Kastor und Polydeukes aus der griechischen Mythologie. Die beiden auch als Castor und Pollux bekannten hell leuchtenden Zwillingssterne können am Nachthimmel selbst bei hoher Lichtverschmutzung gut beobachtet werden.
Zu dem in der letzten Strophe benannten Tempel der Dioskuren gibt es mehrere erhaltene Exemplare.

Textbild
Johann Mayrhofer

Zur Musik

komponiert: 1822

Veröffentlichung (angezeigt): 24. November 1826

Originaltonart: As-Dur

Liedform: A-B-A'

Besonderheiten:

Mayrhofer war ein enger Freund Franz Schuberts und wohnte drei Jahre von 1819-1821 gemeinsam mit ihm in einer Wohngemeinschaft. Er schreibt am 23. Februar 1829 im Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst in seinen Erinnerungen an Franz Schubert:

"Mein Verhältniß mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, daß ihm ein Jugendfreund das Gedicht „am See" – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir 5 Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße (heute Nr.2).
(...)
Dieses Grundgefühl, und die Liebe für Dichtung und Tonkunſt machten unser Verhältniß inniger; ich dichtete,er komponierte, was ich gedichtet, und wovon Vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt." 3

Dieser engen Beziehung verdanken wir 47 Gedichtvertonungen durch Schubert.

Franz Schubert war 25 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung besorgte Cappi und Czerny als op.65: 4

Lied eines Schiffers an die Dioskuren D 360 von J. Mayrhofer,
Der Wanderer D 649 von A. W. Schlegel.
Aus Heliopolis D 753 von J. Mayrhofer

in Musick gesetzt für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte von Franz Schubert 65tes Werk Eigenthum des Verlegers. Nro.221.

Deckblatt op 65

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 24. November 1826: 5

Wiener Zeitung 1826 11 24

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 04, Nr. 268

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 03

Friedländer Bd. III » 032

Bärenreiter Urtext II » 152

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

2 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Gedichte von Johann Mayrhofer, Wien, Verlag Friedrich Volke, 1824, Sig. 71.Bb.5.(Vol.1)

3 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst, Sig. 392789-C.20.21 

4 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Erstdruck op. 65, Sig. SH.Schubert.260

5 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, ANNO, Digitalisierte Zeitschriften und Zeitungen, Wiener Zeitung, Jhg. 1826, Ausgabe vom 24. November, S.4

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.212

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Lied eines Schiffers an die Dioskuren.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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