Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Sir Walter Scott (1771-1832)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Donnerstag, 17. Juli 2008 - Berlin

Liedtext

Mich führt mein Weg wohl meilenlang
Durch Golf und Strom und Wassergrab,
Die Welle kennt den Runensang
Und glättet sich zum Spiegel ab.

Die Welle kennt den Runensang,
Der Golf wird glatt, der Strom wird still;
Doch Menschenherz, im wilden Drang,
Es weiß nicht, was es selber will.

Nur eine Stund' ist mir vergönnt,
In Jahresfrist, zum Klageton:
Sie schlägt, wenn diese Lampe brennt -
Ihr Schein verlischt - sie ist entflohn.

Heil, Magnus Töchter, fort und fort!
Die Lampe brennt in tiefer Ruh;
Euch gönn' ich dieser Stunde Wort -
Erwacht, erhebt Euch, hört mir zu!

   Mich führt mein Weg wohl meilenlang
Durch Golf und Strom und Wassergrab,
Die Welle kennt den Runensang
Und glättet sich zum Spiegel ab.

   Die Welle kennt den Runensang,
Der Golf wird glatt, der Strom ist still;
Doch Menschenherz, im wilden Drang,
Es weiß nicht, was es selber will.

   Nur eine Stund' ist mir vergönnt,
In Jahresfrist, zum Klageton:
Sie schlägt, wenn diese Lampe brennt –
Ihr Schein erlischt – sie ist entflohn.

   Heil, Magnus Töchter, fort und fort!
Die Lampe brennt in tiefer Ruh;
Euch gönn' ich dieser Stunde Wort –
Erwacht, erhebt Euch, hört mir zu!

   Mich führt mein Weg wohl meilenlang
Durch Golf und Strom und Wassergrab;
Die Welle kennt den Runen-Sang
Und glättet sich zum Spiegel ab.

   Die Welle kennt den Runen-Sang,
Der Golf wird glatt, der Strom wird still;
Doch Menschen-Herz im wilden Drang,
Es weiß nicht, was es selber will.

   Nur eine Stund' ist mir vergönnt,
In Jahres-Frist, zum Klageton:
Sie schlägt, wenn diese Lampe brennt
Ihr Schein verlischt – sie ist entfloh'n.

   Heil Magnus Töchter fort und fort,
Die Lampe brennt in tiefer Ruh.
Euch gönn' ich dieser Stunde Wort,
Erwacht, erhebt Euch, hört mir zu.

Zum Text

Sir Walter Scott war zu seiner Zeit so etwas wie ein Bestseller-Autor. Bereits bevor er Romane schrieb hatte er auerordentlichen Erfolg mit seinen epischen Versdichtungen.
Die Norna ist eine Figur aus Scotts Roman Der Pirat (The Pirate) aus dem Jahr 1821. Man findet den originalen Text in Volume II auf Seite 126 der 1822 durch Archibald Constable and Co. and Hurst, Robinson, and Co. in London publizierten Ausgabe. 2.1
Norna zeigt eine einmalige Art des Wahnsinns, der in erfinderischer Weise das Irrenhaus zum Palast, die Angestellten zum Gefolge und das Anstaltsessen zum Bankett macht.
Nornas eigentlicher Name war Ulla Troil. Nachdem sie jedoch ein Verhältnis mit Basil Mertoun (Vaughan) hatte und einen Sohn namens Clement Cleveland gebar, nannte sie sich aus Scham Norna.
Gegen Ende des Romans stellt sich allmählich ihr normaler Geisteszustand wieder her. 2.2
Der englische Originaltext lautet:

 "For leagues along the watery way,
 Through gulph and stream my course has been;
The hillows know my Runic lay,
 And smooth'd their crests to silent green.

 "The hillows know my Runic lay, -
 The gulph grows smooth, the stream is still;
But human hearts, more wild than they,
 Know but the rule of wayward will.

 "One hour is mine, in all the year,
 To tell my woes, - and one alone;
When gleams this magic lamp, 'tis here, -
 When dies the mystic light, 'tis gone.

 "Daughters on northern Magnus, hail!
 The lamp is lit, the flame is clear, -
To you I come to tell my tale,
 Awake, arise, my tale to hear! -

Die deutsche Übersetzung des Romans besorgte Samuel Heinrich Spiker (1786–1858). Das Gedicht steht auf Seite 150/151 des zweiten Bandes, der bei Duncker und Humblot, Berlin 1822 erschienenen deutschen Ausgabe. 2.3

Textbild
Walter Scott: The Pirate

Zur Musik

komponiert: 1825

Veröffentlichung (angezeigt): 14. März 1828

Originaltonart: f-Moll

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

In Schuberts Komposition entsteht durch Verwendung eines Kontrapunktes im tiefen Bass ein unruhiges Gewühle. Die Strophen sind zyklisch aufgebaut. Nach einem crescendo am Anfang jeder Strophe folgt jedes Mal ein decrescendo, in einigen Fällen sogar ein diminuendo. Hier ist also von Schubert womöglich ein kleines Rubato gewünscht.

Schubert vertonte im Jahr 1825 sieben Gedichte aus den zu seiner Zeit berühmten Verserzählungen von Sir Walter Scott. Die aus Das Fräulein vom See stammende Hymne an die Jungfrau (Ellens dritter Gesang) zählt zu den berühmtesten Vertonungen Schuberts und wird oft als Schuberts Ave Maria bezeichnet.

Liste der Scott-Vertonungen auf dieser Webseite

Schubert arbeitete 1825 auch an seiner großen Sinfonie in C-Dur und schrieb die Klaviersonate a-moll.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Entstehungszeit müsste vor März 1825 gewesen sein, denn aus den Tagebuch-Aufzeichnungen der Burgschauspielerin Sophie Müller geht auf Seite 37 hervor, dass Schubert zusammen mit Vogl am 1. März 1825 etwas aus dem Pirat musiziert hat. 4.1

Leben der Sophie Muller S37

Die Erstveröffentlichung besorgte A. Diabelli & Co., VN 2877, Wien 4.2

Lied der Anne Lyle D 830 aus Walter Scott's: Montrose.
Gesang der Norna D 831 aus Walter Scott's: Pirat.

Für eine Singstimme mit Begleitung des Piano-Forte, in Musik gesetzt von Franz Schubert. 85tes Werk.

Deckblatt op 85

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 14. März 1828 4.3

Wiener Zeitung 1828 03 14

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 09, Nr. 542

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 04

Friedländer Bd. IV » 066

Bärenreiter Urtext III » 42

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

2.1 Walter Scott: Der Pirat, Duncker u. Humblot, 1822 Band 1Walter Scott: Der Pirat, Duncker u. Humblot, 1822 Band 2Walter Scott: Der Pirat, Duncker u. Humblot, 1822 Band 3

2.2 http://www.walterscott.lib.ed.ac.uk/works/novels/pirate.htmlWikipedia

2.3 Google Digitalisierte Bücher, Walter Scott, Der Pirat

4.1 Leben der Sophie Müller, weiland k.k. Hofschauspielerinn, und nachgelassene Papiere. Ferdinand Ullrich, Wien 1832

4.2 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Erstdruck op. 85, Sig: SH.Schubert.304 MUS MAG

4.3 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, ANNO, Digitalisierte Zeitschriften und Zeitungen, Wiener Zeitung vom 14. März 1828, S.4

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.524

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Gesang der Norna.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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