Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 15. Mai 2013 - Erfurt

Liedtext

Im Erlenbusch, im Tannenhain,
Im Sonn- und Mond- und Abendschein
Umlächelt mich ein Bildnis.
Vor seinem Lächeln klärt sich's schnell
Die Dämmerung in Himmelhell,
In Paradies die Wildnis.

Es säuselt in der Abendluft,
Es dämmert in dem Morgenduft,
Es tanzet auf der Aue,
Es flötet in der Wachtel Schlag,
Und spiegelt sich im klaren Bach,
Und badet sich im Taue.

Es naht in holder Traulichkeit
Sich mir in tiefster Dunkelheit
So schüchtern und so leise.
Es lullt mich wohl in sanfte Ruh',
Und haucht im Schlaf mir Träume zu
Von wundersüsser Weise.

Ich öffn' ihm sehnend meinen Arm,
Und streb' es traut und liebewarm
An meine Brust zu drücken.
Ich hasch' und hasche leere Luft,
Und nichtig, wie ein Nebelduft,
Entwallt es meinen Blicken.

Wer bist du, holdes Luftgebild,
Das engelhold und engelmild
Mit Schmerz und Lust mich tränket?
Bist du ein Bote bess'rer Welt,
Der mich aus diesem öden Feld
In seine Heimat winket?

O flieg' voran! Ich folge dir.
Bei dir ist Seligkeit; nicht hier.
Sprich, wo ich dich erfasse,
Und ewig aller Pein entrückt,
Umstrickend dich, von dir umstrickt,
Dich nimmer, nimmer lasse.

Im Erlenbusch, im Tannenhain,
In Sonn- und Mond- und Sternenschein
Umlächelt mich ein Bildniß.
Ob seinem Lächeln klärt sich schnell
Die Dämmerung in Himmelhell,
In Paradies die Wildnis.

Es säuselt in der Abendluft,
Es dämmert in dem Morgenduft,
Es tanzet auf der Aue,
Es flötet in dem Wachtelschlag,
Und spiegelt sich im klaren Bach,
Und badet sich im Thaue.

Es naht in holder Traulichkeit
Sich mir in tiefster Dunkelheit
So schüchtern und so leise.
Es lullt mich wol in sanfte Ruh,
Und haucht im Schlaf mir Träume zu
Von wundersüsser Weise.

Ich öfn' ihm sehnend meinen Arm,
Und streb', es glüh und liebewarm
An meine Brust zu drükken. —
Ich hasch' und hasche leere Luft,
Und nichtig, wie ein Nebelduft,
Entwallt es meinen Blikken.

Wer bist du, holdes Luftgebild,
Das engelhold und engelmild
Mit Gram und Wonn' mich tränket?
Bist du ein Bote bessrer Welt,
Der mich aus diesem öden Feld'
In deine Heimat winket?

O fleuch voran! Ich folge dir.
Bei dir ist Seligkeit; nicht hier.
Sprich, wo ich dich erfasse!
Und ewig dicht an dich geschmiegt,
Und ewig fest an dich gefügt

Dich nimmer, nimmer lasse.

Erstdruck

Im Erlenbusch, im Tannenhayn,
Im Sonn- und Mond- und Abendschein
Umlächelt mich ein Bildniß.
Vor seinem Lächeln klärt sich schnell
Die Dämmerung in Himmelhell,
In Paradies die Wildniß.

[Es säuselt in der Abendluft,
Es dämmert in dem Morgenduft,
Es tanzet auf der Aue,
Es flötet in der Wachtelschlag,
Und spiegelt sich im klaren Bach,
Und badet sich im Thaue.

Es naht in holder Traulichkeit
Sich mir in tiefster Dunkelheit
So schüchtern und so leise.
Es lullt mich wohl in sanfte Ruh,
Und haucht im Schlaf mir Träume zu
Von wundersüsser Weise.]

Ich öffn' ihm sehnend meinen Arm,
Und streb' es traut und liebewarm
An meine Brust zu drücken.
Ich hasch' und hasche leere Luft,
Und nichtig, wie ein Nebelduft,
Entwallt es meinen Blicken.

[Wer bist du, holdes Luftgebild,
Das engelhold und engelmild
Mit Schmerz und Lust mich tränket?
Bist du ein Bote bess'rer Welt,
Der mich aus diesem öden Feld'
In seine Heimath winket?]

O flieg' voran, ich folge dir.
Bei dir ist Seligkeit; nicht hier.
Sprich, wo ich dich erfasse,
Und ewig aller Pein entrückt
Umstrickend dich, von dir umstrickt

Dich nimmer, nimmer lasse.

1. Strophe Autograph

2.&3. Strophe 1803 Poesieen(sic!) Band 2, Neueste Auflage, Berlin, S. 199ff. 
▪ Digitalisat auf books.google.com

4. Strophe Erstdruck

5. Strophe 1803 Poesieen(sic!) Band 2, Neueste Auflage, Berlin, S. 199ff. 
▪ Digitalisat auf books.google.com

6. Strophe Erstdruck

Zum Text

Der Pfarrer Ludwig Gotthard Kosegarten schrieb sein Gedicht Die Täuschung in

"Kiesow, im Sommermond 1787"

Es wurde in Gedichte von Ludwig Theobul Kosegarten, Band 2 beim Verlag Ernst Martin Gräff, 1788 in Leipzig veröffentlicht. S. 242ff.
▪ Digitalisat auf books.google.com

Weitere Ausgaben des Gedichtes:

1798 Poesieen(sic!) Band 2, bei Heinrich Gräff, Leipzig, S. 60ff.
▪ Digitalisat im Münchener Digitalisierungszentrum

1803 Poesieen(sic!) Band 2, Neueste Auflage, Berlin, S. 199ff. Schubert hat vermutlich diese Ausgabe als Textvorlage benutzt, denn im Autograph gleichen Orthographie und Text dem Druck des Gedichtes.
▪ Digitalisat auf books.google.com

Zur Musik

komponiert: 7. Juli 1815

Veröffentlichung (angezeigt): 11. Mai 1855

Originaltonart: E-Dur

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Morten Solvik beschreibt in den Jahren 1997 und 1999 in einem online erschienenen Artikel die Möglichkeit, dass Schubert mit den 20 Liedern, die 1815 auf Gedichte von Kosegarten entstanden, einen ersten Liederzyklus schreiben wollte. Ähnlich wie acht Jahre später Die schöne Müllerin3.1

Zu diesem Zyklus gehören laut Morten Solvik die folgenden Lieder:

Huldigung D 240
Alles um Liebe D 241
Von Ida D 228
Die Erscheinung D 229 
Das Finden D 219 
Idens Nachtgesang D 227 
Die Sterne D 313 
Nachtgesang D 314 
Die Täuschung D 230 
10 Das Sehnen D 231 
11 Die Mondnacht D 238 
12 Abends unter der Linde D 237 
13 Das Abendrot D 236
14 Geist der Liebe D 233 
15 Der Abend D 221 
16 Idens Schwanenlied D 317 
17 Schwangesang D 318 
18 Luisens Antwort D 319 
19 An Rosa I D 315 
20 An Rosa II D 316

Schubert vertonte insgesamt 22 Texte von Kosegarten. Zählt man alle Fassungen dazu, liegen uns heute 24 Vertonungen vor. 14 Lieder entstanden zwischen 25. Juni und 27. Juli 1815. 7 Lieder an nur einem Tag: den 19. Oktober 1815. Nur An die untergehende Sonne wurde erst 1817 geschrieben.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Autograph liegt in der Wienbibliothek im Rathaus der Stadt Wien, Österreich. Das Digitalisat kann ohne Anmeldung online recherchiert werden. 4.1

Die Erst-Veröffentlichung besorgte Leopold Alexander Zellner in seiner 1855 gegründeten Zeitschrift Blätter für Musik, Theater und Kunst am 11. Mai 1855. 4.2

Blätter für Musik, Theater und Kunst 1855

Die zweite Veröffentlichung besorgte Carl Anton Spina in Wien k.k. Hof- u. pr. Kunst- u. Musikalienhandlung. (Medaille 1. Cl. der Pariser- Welt- Ind. Ausstllng. 1855) am 16.06.1862 als op. 165 4.3
Liederkranz Sammlung von Liedern aus dem Nachlasse für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte von Franz Schubert

1. Die Liebende schreibt D 673
2. Die Sternennächte D 670
3. Das Bild D 155
4. Die Täuschung D 230
5. Eine altschottische Ballade D 923

Deckblatt op. 165

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 02, Nr. 93

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 08

Friedländer Bd. VI » 093

Bärenreiter Urtext VII » 86

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Transposition für tiefe Stimme

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Quelle(n)

3.1 Morten Solvik - Kosegarten cycle unter: http://www.gopera.com/lieder/kosegarten/ (abgerufen am 04. Oktober 2019)

4.1 Wienbibliothek im Rathaus, Digitalisierte Sammlungen, Digitalisat des Autographs, Sig: LQH0248630

4.2 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Schubert, Franz. (D 230. Op. Post. 165 Nr. 4.) Die Täuschung, Erstdruck. ed. Wien: C. A. Spina, 1855. Print.Erstdruck 1855

4.3 Österreichische Nationalbibliothek Digitalisierte Sammlungen, Schubert, Franz. Liederkranz Op. 165. Eigenthum Des Verlegers, Wien: C. A. Spina, 1862

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.150

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Die Täuschung.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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