Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Ludwig Gotthard Kosegarten (1758-1818)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Holger Berndsen - Piano
Aufnahme: Sonntag, 08. März 2015 - Würzburg

Liedtext

Woher, o namenloses Sehnen,
Das den beklemmten Busen preßt?
Woher, ihr bittersüßen Tränen,
Die ihr das Auge dämmernd näßt?
O Abendrot, o Mondenblitz,
Flimmt blasser um den Lindensitz!

Es säuselt in dem Laub der Linde;
Es flüstert im Akazienstrauch.
Mir schmeichelt süß, mir schmeichelt linde
Des grauen Abends lauer Hauch.
Es spricht um mich, wie Geistergruß;
Es weht mich an, wie Engelkuß.

Es glänzt, es glänzt im Nachtgefilde,
Der Linde grauer Scheitel bebt -
Verklärte himmlische Gebilde,
Seid ihr es, die ihr mich umschwebt?
Ich fühle eures Atems Kuß,
O Julie! o Emilius!

Bleibt Sel'ge, bleibt in eurem Eden!
Des Lebens Hauch bläst schwer und schwül
Durch stumme leichenvolle Öden.
Elysium ist mild und kühl.
Elysium ist wonnevoll -
Fahrt wohl, ihr Trauten! fahret wohl!

Woher, o namenloses Sehnen,
Das den beklemmten Busen preßt?
Woher, ihr bittersüßen Thränen,
Die ihr das Auge dämmernd näßt?
O Abendroth, o Mondenblitz,
Flimmt blasser um den Lindensitz!

Es säuselt in dem Laub der Linde;
Es flistert im Akazienstrauch.
Mir schmeichelt süß, mir schmeichelt linde
Des grauen Abends lauer Hauch.
Es spricht um mich, wie Geistergruß;
Es weht mich an, wie Engelkuß.

Es glänzt, es glänzt im Nachtgefilde,
Der Linde graue Scheitel bebt —
Verklärte himmlische Gebilde,
Seid ihr es, die ihr mich umschwebt?
Ich fühle eures Athems Kuß,
O Julie! o Emilius!

Bleibt Sel'ge, bleibt in eurem Eden!
Des Lebens Hauch bläst schwer  und  schwül
Durch stumme leichenvolle Oeden.
Elysium ist mild und kühl.
Elysium ist wonnevoll —
Fahrt wohl, ihr Trauten! fahret wohl!

Erstdruck

Woher, o namenloses Sehnen,
Das den beklemmten Busen preßt?
Woher, ihr bittersüßen Thränen,
Die ihr das Auge dämmernd näßt?
O Abendroth, o Mondenblitz,
Flimmt blasser um den Lindensitz!

Es säuselt in dem Laub der Linde;
Es flistert im Akazienstrauch.
Mir schmeichelt süß, mir schmeichelt linde
Des grauen Abends lauer Hauch.
Es spricht um mich, wie Geistergruß;
Es weht mich an, wie Engelkuß.

Es glänzt, es glänzt im Nachtgefilde,
Der Linde grauer Scheitel bebt —
Verklärte himmlische Gebilde,
Seid ihr es, die ihr mich umschwebt?
O ich fühle eures Athems Kuß,
O Julie, o Emilius!

Bleibt Sel'ge, bleibt in eurem Eden!
Des Lebens Hauch bläst schwer  und  schwül
Durch stumme leichenvolle Öden.
Elysium ist mild und kühl.
Elysium ist wonnevoll —
Fahrt wohl, ihr Trauten! fahret wohl!

Manuskript

Zum Text

Der Pfarrer Ludwig Gotthard Kosegarten veröffentlichte 1803 sein Gedicht Abends unter der Linde in der Neuesten Auflage seiner Poesieen(sic!) Band 3, Berlin, Seite 201ff.
Ein Digitalisat dieses Gedichtbandes kann auf den Seiten der Österreichischen Nationalbibliothek online recherchiert werden.

Textbild
Deckblatt der Poesieen Kosegartens

Zur Musik

komponiert: 24. Juli 1815

Veröffentlichung (angezeigt): 1894

Originaltonart: F

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Morten Solvik beschreibt in den Jahren 1997 und 1999 in einem online erschienenen Artikel die Möglichkeit, dass Schubert mit den 20 Liedern, die 1815 auf Gedichte von Kosegarten entstanden, einen ersten Liederzyklus schreiben wollte. Ähnlich wie acht Jahre später Die schöne Müllerin3.1

Zu diesem Zyklus gehören laut Morten Solvik die folgenden Lieder:

Huldigung D 240
Alles um Liebe D 241
Von Ida D 228
Die Erscheinung D 229 
Das Finden D 219 
Idens Nachtgesang D 227 
Die Sterne D 313 
Nachtgesang D 314 
Die Täuschung D 230 
10 Das Sehnen D 231 
11 Die Mondnacht D 238 
12 Abends unter der Linde D 237 
13 Das Abendrot D 236
14 Geist der Liebe D 233 
15 Der Abend D 221 
16 Idens Schwanenlied D 317 
17 Schwangesang D 318 
18 Luisens Antwort D 319 
19 An Rosa I D 315 
20 An Rosa II D 316

Schubert vertonte insgesamt 22 Texte von Kosegarten. Zählt man alle Fassungen dazu, liegen uns heute 24 Vertonungen vor. 14 Lieder entstanden zwischen 25. Juni und 27. Juli 1815. 7 Lieder an nur einem Tag: den 19. Oktober 1815. Nur An die untergehende Sonne wurde erst 1817 geschrieben.

Das Lied wurde von Schubert in zwei Versionen vertont. Die zweite Bearbeitung schrieb er direkt am Tag nach der ersten Bearbeitung.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Manuskript des Liedes liegt in der Staatsbibliothek preussischer Kulturbesitz. Es kann auf dort online recherchiert werden.

Die Veröffentlichung geschah im Rahmen der Alten Gesamtausgabe (Alte Gesamtausgabe (AGA)) 1894.

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 02, Nr. 100

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 08

Bärenreiter Urtext VII » 97

Link zum Manuskript
schubertmanu

Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

3.1 Morten Solvik - Kosegarten und Schubert

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.152

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Abends unter der Linde - 1. Bearbeitung.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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