Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Franz von Schober (1798-1882)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Donnerstag, 19. Juni 2008 - Berlin



Liedtext

Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden,
Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,
Hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunden,
Hast mich in eine beßre Welt entrückt!

Oft hat ein Seufzer, deiner Harf' entflossen,
Ein süßer, heiliger Akkord von dir
Den Himmel beßrer Zeiten mir erschlossen,
Du holde Kunst, ich danke dir dafür!

Quelle & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: 1817

veröffentlicht: 12. Dezember 1827

Originaltonart: D-Dur

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Eine interessante Deutung der Komposition Schuberts als homoerotischer Liebesbrief an Franz von Schober ist im Buch Geheime Botschaften von Ilija Dürhammer zu finden.
Dürhammer deutet die "warme Lieb" als Synonym für "warmer Bruder", ein Begriff, der sowohl in der christlichen Mythik, als auch im islamischen Sufismus aus der "geschworenen Bruderschaft" übrig geblieben ist. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass Zeichen der Zuneigung, die früher womöglich üblich waren und nur für eine besonders intensive Form der Freundschaft standen, heutzutage als von der Norm abweichend und irrigerweise als Homosexualität gedeutet werden.

DeutschVerzeichnis

Deutsch-Verzeichnis

Laut thematischem Katalog von Otto Erich Deutsch gab es ein Manuskript der zweiten Fassung in der Sammmlung Stefan Zweig, London sowie ein Faksimile-Abdruck in Walter Dahms Buch Schubert aus dem Jahr 1912.
Die Erstveröffentlichung der zweiten Fassung erfolgte als op. 88 bei Thaddäus Weigl.

Aus der amtlichen "Wiener Zeitung" vom 12. Dezember 1827

Bei Thadd. WeiglKunst- und Musikalienhändler, in Wien, Am Graben Nr. 1144
(neben dem König von England) ist ganz neu erschienen
Abendlied für die Entfernte.
Thekla (eine Geisterstimme). Um Mitternacht.
An die Musik.
Vier Gedichte
in Musik gesetzt für eine Singstimme mit Pianoforte-Begleitung
von Franz Schubert.
88stes Werk. Preis 45 kr. Konv. Münze.

Schubert widmete dieses Lied am 24. April 1827 dem Wiener Klaviervirtuosen Albert Sowinsky.


Quelle(n):
Dürhammer, Ilija: Geheime Botschaften. Böhlau Wien, 2006; S.96ff;
Deutsch, Otto Erich, Schubert - Die Dokumente seines Lebens. Bärenreiter Kassel 1964, S.466ff
Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.318

Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Originalversion des Liedes