Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Friedrich Schiller (1759-1805)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Christoph Schnackertz - Piano
Aufnahme: Donnerstag, 21. Juli 2011 - Erfurt



Liedtext

Wohl perlet im Glase der purpurne Wein,
Wohl glänzen die Augen der Gäste,
Es zeigt sich der Sänger, er tritt herein,
Zu dem Guten bringt er das Beste,
Denn ohne die Leier im himmlischen Saal
Ist die Freude gemein auch beim Nektarmahl.
 
Ihm gaben die Götter das reine Gemüt,
Wo die Welt sich, die ewige, spiegelt,
Er hat alles gesehn, was auf Erden geschieht,
Und was uns die Zukunft versiegelt,
Er saß in der Götter urältestem Rat
Und behorchte der Dinge geheimste Saat.
 
Er breitet es lustig und glänzend aus,
Das zusammengefaltete Leben,
Zum Tempel schmückt er das irdische Haus,
Ihm hat es die Muse gegeben,
Kein Dach ist so niedrig, keine Hütte so klein,
Er führt einen Himmel voll Götter hinein.
 
Und wie der erfindende Sohn des Zeus
Auf des Schildes einfachem Runde
Die Erde, das Meer und den Sternenkreis
Gebildet mit göttlicher Kunde,
So drückt er ein Bild des unendlichen All
In des Augenblicks flüchtig verrauschenden Schall.
 
Er kommt aus dem kindlichen Alter der Welt,
Wo die Völker sich jugendlich freuten,
Er hat sich, ein fröhlicher Wandrer, gesellt
Zu allen Geschlechtern und Zeiten.
Vier Menschenalter hat er gesehn
Und läßt sie am fünften vorübergehn.
 
Erst regierte Saturnus schlicht und gerecht,
Da war es heute wie morgen,
Da lebten die Hirten, ein harmlos Geschlecht,
Und brauchten für gar nichts zu sorgen,
Sie liebten und taten weiter nichts mehr,
Die Erde gab alles freiwillig her.
 
Drauf kam die Arbeit, der Kampf begann
Mit Ungeheuern und Drachen,
Und die Helden fingen, die Herrscher an,
Und den Mächtigen suchten die Schwachen,
Und der Streit zog in des Skamanders Feld,
Doch die Schönheit war immer der Gott der Welt.
 
Aus dem Kampf ging endlich der Sieg hervor,
Und der Kraft entblühte die Milde,
Da sangen die Musen im himmlischen Chor,
Da erhuben sich Göttergebilde!
Das Alter der göttlichen Phantasie,
Es ist verschwunden, es kehret nie.
 
Die Götter sanken vom Himmelsthron,
Es stürzten die herrlichen Säulen,
Und geboren wurde der Jungfrau Sohn,
Die Gebrechen der Erde zu heilen,
Verbannt ward der Sinne flüchtige Lust,
Und der Mensch griff denkend in seine Brust.
 
Und der eitle, der üppige Reiz entwich,
Der die frohe Jugendwelt zierte,
Der Mönch und die Nonne zergeißelten sich,
Und der eiserne Ritter turnierte.
Doch war das Leben auch finster und wild,
So blieb doch die Liebe lieblich und mild.
 
Und einen heiligen, keuschen Altar
Bewahrten sich stille die Musen,
Es lebte, was edel und sittlich war,
In der Frauen züchtigem Busen,
Die Flamme des Liedes entbrannte neu
An der schönen Minne und Liebestreu.
 
Drum soll auch ein ewiges zartes Band
Die Frauen, die Sänger umflechten,
Sie wirken und weben Hand in Hand
Den Gürtel des Schönen und Rechten.
Gesang und Liebe in schönem Verein,
Sie erhalten dem Leben den Jugendschein.

Quelle & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: März 1816

veröffentlicht: 1829

Originaltonart: G-Dur

Liedform: Strophenlied (12 Strophen!)

Von Schiller als Tafellied konzipiert - von Schubert als ebensolches umgesetzt.
Die ersten fünf Strophen sind als Einleitung gedacht und stellen die Welt dar,
In der sechsten Strophe wird das goldene Zeitalter geschildert
in der 7. das der Heroen
in der 8. das Blüthenalter griechischer Kunst und Bildung
in der 9. die Erscheinung des Christenthums
in der 10. das Mittelalter mit seinen Licht- und Schattenseiten
in der 11. die Zeit der Minnesänger
In der Schlußstrophe wird den bei der Tafel anwesenden Frauen eine Huldigung dargebracht.
Vorlage waren sicher die Weltalter der Antike von Ovid oder Hesiod
Das Nektarmahl in Strophe 1 wurde durch Apollo’s Saitenspiel und den Gesang der Musen verschönert.
Der erfindende Sohn des Zeus in Strophe 4 ist Vulkan
Strophe 7 bezieht sich auf die schöne Helena, um deretwillen der trojanische Krieg geführt wurde

Schubert symbolisiert mit der durchgehenden Sechzehntelbegleitung den Flug der Zeit.


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Originalversion des Liedes

Quelle imslp.org: Die vier Weltalter.pdf