Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Joseph Kenner (1794-1868)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Montag, 11. November 2013 - Berlin



Liedtext

Gib, Schwester, mir die Harf' herab,
Gib mir Biret und Wanderstab,
Kann hier nicht fürder weilen!
Bin ahnenlos, bin nur ein Knecht
Bin für die edle Maid zu schlecht,
Muß stracks von hinnen eilen.

"Still, Schwester, bist gottlob nun Braut,
Wirst morgen Wilhelm angetraut,
Soll mich nichts weiter halten.
Nun küsse mich, leb, Trude, wohl!
Dies Herze, schmerz- und liebevoll,
Laß Gott den Herrn bewalten."

Der Liedler zog durch manches Land
Am alten Rhein- und Donaustrand,
Wohl über Berg und Flüsse.
Wie weit er flieht, wohin er zieht,
Er trägt den Wurm im Herzen mit
Und singt nur sie, die Süße.

Und er's nicht länger tragen kann,
Tät sich mit Schwert und Panzer an,
Den Tod sich zu erstreiten.
Im Tod ist Ruh, im Grab ist Ruh,
Das Grab deckt Herz und Wünsche zu;
Ein Grab will er erreiten.

Der Tod ihn floh, und Ruh ihn floh!
Des Herzogs Banner flattert froh
Der Heimat Gruß entgegen,
Entgegen wallt, entgegen schallt
Der Freunde Gruß durch Saat und Wald
Auf allen Weg' und Stegen.

Da ward ihm unterm Panzer weh!
Im Frührot glüht der ferne Schnee
Der heimischen Gebirge;
Ihm war, als zög's mit Hünenkraft
Dahin sein Herz, der Brust entrafft,
Als ob's ihn hier erwürge.

Da konnt er's fürder nicht bestehn:
"Muß meine Heimat wiedersehn,
Muß sie noch einmal schauen!"
Die mit der Minne Rosenhand
Sein Herz an jene Berge band,
Die herrlichen, die blauen!

Da warf er Wehr und Waffe weg,
Sein Rüstzeug weg ins Dorngeheg;
Die liederreichen Saiten,
Die Harfe nur, der Süßen Ruhm,
Sein Klagespsalm, sein Heiligtum,
Soll ihn zurückbegleiten.

Und als der Winter trat ins Land,
Der Frost im Lauf die Ströme band,
Betrat er seine Berge.
Da lag's, ein Leichentuch von Eis,
Lag's vorn und neben totenweiß,
Wie tausend Hünensärge!

Lag's unter ihm, sein Muttertal,
Das gräflich Schloß im Abendstrahl,
Wo Milla drin geborgen.
Glück auf, der Alpe Pilgerruh
Winkt heute Ruh dir Ärmster zu:
Zur Feste, Liedler, morgen!

Ich hab nicht Rast, ich hab nicht Ruh,
Muß heute noch der Feste zu,
Wo Milla drin geborgen.
"Bist starr, bist blaß!" Bin totenkrank,
Heut ist noch mein! Tot, Gott sei Dank,
Tot find't mich wohl der Morgen.

Horch Maulgetrab, horch Schellenklang!
Vom Schloß herab der Alp' entlang
Zog's unter Fackelhelle.
Ein Ritter führt ihm angetraut,
Führt Milla heim als seine Braut.
Bist Liedler schon zur Stelle!

Der Liedler schaut und sank in sich.
Da bricht und schnaubet wütiglich
Ein Werwolf durchs Gehege,
Die Maule fliehn, kein Saum sie zwingt.
Der Schecke stürzt. Weh! Milla sinkt
Ohnmächtig hin am Wege.

Da riß er sich, ein Blitz, empor,
Zum Hort der Heißgeminnten vor,
Hoch auf des Untiers Nacken
Schwang er sein teures Harfenspiel,
Daß es zersplittert niederfiel,
Und Nick und Rachen knacken.

Und wenn er stark wie Simson wär',
Erschöpft mag er und sonder Wehr
Den Grimmen nicht bestehen.
Vom Busen, vom zerfleischten Arm
Quillt's Herzblut nieder, liebewarm,
Schier denkt er zu vergehen.

Ein Blick auf sie, und alle Kraft
Mit einmal er zusammenrafft,
Die noch verborgen schliefe!
Ringt um den Werwolf Arm und Hand,
Und stürzt sich von der Felsenwand
Mit ihm in schwindle Tiefe.

Fahr, Liedler, fahr auf ewig wohl!
Dein Herze schmerz- und liebevoll
Hat Ruh im Grab gefunden!
Das Grab ist aller Pilger Ruh,
Das Grab deckt Herz und Wünsche zu,
Macht alles Leids gesunden.

Quelle & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: Juli 1815

veröffentlicht: 1825

Dem Dichter gewidmet.

Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Quelle imslp.org: Der Liedler.pdf