Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)

Wir empfehlen Ihnen, die Lieder mit einem Kopfhörer anzuhören!

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Dienstag, 15. Juli 2008 - Berlin



Liedtext

In einem Bächlein helle,
  Da schoß in froher Eil
Die [launige]1 Forelle
  Vorüber wie ein Pfeil.
Ich stand an dem Gestade
  Und sah in süßer Ruh
Des muntern [Fisches]2 Bade
  Im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Rute
  Wohl an dem Ufer stand,
Und sah's mit kaltem Blute,
  Wie sich das Fischlein wand.
So lang dem Wasser Helle,
  So dacht ich, nicht gebricht,
So fängt er die Forelle
  Mit seiner Angel nicht.

Doch [plötzlich]3 ward dem Diebe
  Die Zeit zu lang. Er macht
Das Bächlein tückisch trübe,
  Und eh ich es gedacht,
So zuckte seine Rute,
  Das Fischlein zappelt dran,
Und ich mit regem Blute
  Sah die Betrogene an.

1 "launische"


2 "Fischleins"


3 "endlich"

Quelle & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: September 1820

veröffentlicht: 9. Dezember 1820

Originaltonart: Des-Dur

Liedform: Strophenlied, durchkomponiert

Christian Friedrich Daniel Schubart lebte in einer Zeit, in der Würtembergs Absolutismus seinen Höhepunkt erreichte. Der Dichter und Musiker selbst wurde 1777 Opfer von Umerziehungsmaßnahmen des regierenden Fürsten Karl Eugen. 10 Jahre, bis 1787  wurde er aufgrund seiner scharfen Kritik an Adel und Klerus gefangen gehalten. Schubarts aufklärerisches Gedankengut stand in klarem Gegensatz zum absolutistischen Bestreben Karl Eugens. Diese Gedanken der Aufklärung, setzten sich im 18. Jahrhundert jedoch in ganz Europa durch und führten unter anderem Ende des 18. Jahrhunderts zur französischen Revolution. Da das Gedicht 1783 im "schwäbischen Muselalmanach" erschien, muss Schubart es während seiner Gefangenschaft auf der Festung Hohenasperg geschrieben haben.
Vor diesem geschichtlichen Hintergrund erscheint eine Interpretation des Deutschlehrers Hartmut Riedel sehr interessant. Er sieht neben der ersten Bedeutungsebene (Fisch und Angler) und der zweiten (Mädchen und Männer) noch eine dritte, politische Deutungsmöglichkeit.
Besonders das Wort "Helle" im  Gedicht bekommt seiner Meinung nach eine neue Dimension, die unzweifelhaft mit der Aufklärung verknüpft ist. Der Fischer ist im übertragenen Sinne der Feind der Aufklärung. Seine List, den Fisch durch Trübung des Wassers zu fangen, hatte Schubart am eigenen Leib erfahren, denn er war mithilfe eines Spitzels nach Blaubeuren gelockt worden, damit man ihn auf würtembergischem Territorium gefangen nehmen konnte.

Schubert vertonte nur die ersten drei Strophen des Gedichtes. Die moralisierende vierte Strophe

Die ihr am goldenen Quelle
Der sicheren Jugend weilt,
Denkt doch an die Forelle,
Seht ihr Gefahr, so eilt!
Meist fehlt ihr nur aus Mangel
der Klugheit, Mädchen, seht
Verführer mit der Angel!
Sonst blutet ihr zu spät!

ließ er aus.
Man könnte meinen, dass Schubert womöglich den politischen Fingerzeig des Gedichtes nicht erkannte, nur die Geschichte von Fisch und Fischer erzählen wollte und deshalb die vierte Strophe wegließ. Allerdings fällt die Entstehungszeit des Liedes genau mit den verstärkt auftretenden Repressalien im Polizeistaat Metternichs zusammen, die nach dem Wiener Kongress vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 massiv zunahmen. Man könnte also zur Konklusion kommen, dass Schubert bewusst die letzte Strophe wegließ, um die zweite Bedeutungsebene (Mädchen und Männer) auszuklammern und bewusst auf die dritte Bedeutungsebene aufmerksam zu machen. Diese Vielschichtigkeit erklärt vielleicht auch den großen Erfolg, den das Lied hatte und immer noch hat.
Vordergründig fällt schon in den ersten Takten dieses Liedes das plätscherndes Sextolenmotiv auf, welches im Bass, vor allem aber im Diskant der Klavierbegleitung die Schattierungen der Wellenläufe des Baches charakterisiert und durch seine lebensfrohe Melodik dem Lied seine Form gibt.
Der Grundcharakter wird solange beibehalten, wie sich die Handlung nicht verändert. In dem Moment aber, da sich das Wasser trübt und die Forelle zur Beute wird, verändert sich die Struktur der Begleitung. Erst am Schluss wird das Anfangsmotiv wieder aufgenommen.

ZeitschriftDas Lied liegt in fünf Fassungen vor und erfuhr zwischen Ende 1816 und Oktober 1821 einige Veränderungen. Die gravierendste betrifft sicherlich das Vorspiel. In den ersten vier Fassungen hatte Schubert nämlich kein Vorspiel vorgesehen. Das bis heute übliche fünftaktige Vorspiel stammt von Anton Diabelli und wurde in alle späteren Drucke des Liedes übernommen. Schubert selbst hat seiner fünften Fassung ein viertaktiges Vorspiel hinzugefügt. Die übrigen Änderungen sind auf den ersten Blick nicht so offensichtlich, betreffen aber sowohl die Gesangslinie als auch die Begleitung.
Auf der Seite imslp.org kann man alle Versionen online abrufen.
Die hier aufgenommene Variante enstpricht keiner dieser Fassungen, sondern bringt die obligate Version mit dem Diabelli-Vorspiel zum Klingen.
Über die Autographe und Abschriften kann man sich im thematischen Katalog von Otto Erich Deutsch eingehend informieren.
Das Autograph der fünften Fassung findet man online auf den Seiten der Library of Congress Washington.
Die Erstveröffentlichung geschah am 09. Dezember 1820 in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode.
Diabelli veröffentlichte es am 13. Januar 1825 in der Reihe "Philomele", wo es in der dritten Auflage die heute übliche Werknummer op.32 erhielt.

Des Liedes erster Teil (Strophen 1 u. 2) bildet das Thema des vierten Satzes im "Forellenquintetts" D.667.

Quellen: Otto Erich Deutsch. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, S.550ff.; wikipedia.de

Geschrieben von: Peter Schöne

Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Originalversion des Liedes