Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Ernst Schulze (1789–1817)

Wir empfehlen Ihnen, die Lieder mit einem Kopfhörer anzuhören!

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Samstag, 25. Juni 2011 - Erfurt



Liedtext

Ich bin von aller Ruh' geschieden
Und treib' umher auf wilder Flut;
An einem Ort nur find' ich Frieden,
Das ist der Ort, wo alles ruht.
Und wenn die Wind' auch schaurig sausen,
Und kalt der Regen niederfällt,
Doch will ich dort viel lieber hausen,
Als in der unbeständ'gen Welt.

Denn wie die Träume spurlos schweben,
Und einer schnell den ander'n treibt,
Spielt mit sich selbst das irre Leben,
Und jeder naht und keines bleibt.
Nie will die falsche Hoffnung weichen,
Nie mit der Hoffnung Furcht und Müh'!
Die Ewigstummen, Ewigbleichen
Verheißen und versagen nie.

Nicht weck' ich sie mit meinen Schritten
In ihrer dunklen Einsamkeit.
Sie wissen nicht, was ich gelitten,
Und Keinen stört mein tiefes Leid.
Dort kann die Seele freier klagen
Bei Jener, die ich treu geliebt;
Nicht wird der kalte Stein mir sagen
Ach, daß auch sie mein Schmerz betrübt!

Quelle & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: Januar 1826

veröffentlicht: 1838

Die Lieder nach Texten von Ernst Conrad Friedrich Schulze nehmen eine Sonderstellung im Œvre Schuberts ein. Nicht umsonst zählen z.B. Lieder wie Auf der Bruck oder An mein Herz zu den bekannteren Schubert-Liedern, die auch hin und wieder in Liederabendprogrammen zu hören sind. Schubert findet für die Texte dieses Dichters eine ganz eigene Tonsprache von großer Intensität. Es scheint fast so, als ob die Texte des Norddeutschen einen besonderen Punkt in seiner Seele berührt hätten.

In "Tiefes Leid" beginnt die Begleitung mit hörbarem Umhersuchen durch die unruhige Rhythmik und den Wechsel von Tonika und Dominantsept-Akkord sowie die Akzente auf der dritten Zählzeit des 3/4-Taktes. Der Stimmungswechsel im zweiten Teil des dreistrophigen Liedes kommt durch ein Umdeuten der Molltonart nach Dur und eine Beruhigung der nachschlagenden Achtel in der rechten Hand durch weichere Synkopen zustande. Die große Kunst bei den Liedern Schulzes aber ist es, dass sich alle Strophen in der Melodie wiederfinden.

1826 komponierte er auch das Streichquartett G-Dur, das Rondeau brillant für Klavier und Violine, die Klaviersonate in G-Dur sowie sein bekanntestes geistliches Werk, die Deutsche Messe.

Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Originalversion des Liedes

Quelle imslp.org: Tiefes Leid.pdf