Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Wir empfehlen Ihnen, die Lieder mit einem Kopfhörer anzuhören!

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 18. Juni 2008 - Berlin



Liedtext

So hab ich wirklich dich verloren?
Bist du, o Schöne, mir entflohn?
Noch klingt in den gewohnten Ohren
Ein jedes Wort, ein jeder Ton.

So wie des Wandrers Blick am Morgen
Vergebens in die Lüfte dringt,
Wenn, in dem blauen Raum verborgen,
Hoch über ihm die Lerche singt:

So dringet ängstlich hin und wieder
Durch Feld und Busch und Wald mein Blick;
Dich rufen alle meine Lieder;
O komm, Geliebte, mir zurück.

Quelle & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: Dezember 1822

veröffentlicht: 1868

Originaltonart: G-Dur

Liedform: A-B-A'

Besonderheiten:

Goethe hingegen war schon 39 als er das zugrundeliegende Gedicht verfasste.

John Reed bemerkt in seinem Song Companion dass Goethe das Gedicht nach seiner Rückkehr aus Italien schrieb und mit der Entfernten Charlotte von Stein gemeint sei.

Trotz der strengen Form fällt beim Hören ein natürlich wirkender Sprachrhythmus auf. Schubert schreibt Alla breve vor, gleichzeitig jedoch steht Langsam über die Noten. Dadurch entsteht ein Gefühl von schweren und langen Zählzeiten. Unterstützt wird dieses Gefühl durch den halbtaktigen Bass im Klavier, der sich fast durch das gesamte Lied zieht und nur dort unterbrochen wird, wo der Sänger in Gedanken verweilt, um dann mit neuer Energie weiterzusingen.
Obwohl das Lied für den Hörer mit einem Auftakt beginnt, schreibt Schubert einen vollen Takt voraus, vielleicht um das Warten zu illustrieren. Bereits im zweiten Takt nach wenigen Tönen schreibt er ein dissonantes Es in der dritten Stimme. Graham Johnson deutet diese Dissonanz als ein Vorbote auf das Schlimmste, was zu erwarten ist.
Er weist auch auf die Betonung des Wortes wirklich hin, die dadurch zustande kommt, dass dieses Wort auf der ersten Zählzeit des Taktes erklingt und zudem durch die punktierte Viertelnote besonderes Gewicht erhält.
Am Anfang erscheint zweimal im Klavier ein Echo des Gesungenen.
Der Sänger singt: Bist Du, oh Schöne mir entflohn und das Klavier antwortet entflohn. Wenig später imitiert das Klavier ebenfalls die Phrase ein jeder Ton des Sängers.
Der Mittelteil ist etwas langsamer, fast vorsichtig, beobachtend, abwartend, bis den Wanderer die Angst drängt und er zur hin Reprise ängstlich immer schneller wird.
Schubert schreibt geschwinder über diesen Teil. Die Reprise klingt sehnsüchtig, sowie zugleich auch resigniert und schließt mit einem Seufzer im Klavier ab.

Schubert war 26 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

DVDas Manuskript dieses Liedes aus dem Jahr 1822 ist gemeinsam mit D. 764 Der Musensohn, D. 766 Am Flusse und D. 767 Willkommen und Abschied in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin online verfügbar. Eine Abschrift befindet sich laut thematischem Katalog von Otto Erich Deutsch in der Sammlung Witteczek-Spaun. Sie liegt heute bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.
Die Erstveröffentlichung besorgte laut O.E. Deutsch Wilhelm Müller, Verlagsnummer 13, Berlin 1868, Ed. Franz Espagne in den Sechs bisher ungedruckten Liedern für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte.
Es erschien als Nr. 4 gemeinsam mit
D. 52 Sehnsucht
D. 73 Thekla eine Geisterstimme
D. 296 An den Mond
D. 114 Romanze
D. 495 Abendlied der Fürstin.

1822 entstanden auch beispielsweise die Oper Alfonso und Estrella sowie die Messe Nr. 5 As-Dur.

Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Das Manuskript zu diesem Lied online studieren
www.schubert-online.at
schubertmanu

Originalversion des Liedes

Transposition für tiefe Stimme